:

Steinbrücks Schattenkabinett - Teil 1

Kompetenzteam Teil eins: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück lüftete jetzt den Schleier des Geheimnisses über seine bevorzugten Mitstreiter im Kampf ums ...

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verriet erste Details zu seinem Schattenkabinett. [KT_CREDIT] FOTO: Sven Hoppe

Kompetenzteam Teil eins: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück lüftete jetzt den Schleier des Geheimnisses über seine bevorzugten Mitstreiter im Kampf ums Kanzleramt ein wenig: Gesche Joost, Designprofessorin an der Universität der Künste in Berlin, geboren 1974, soll den Themenbereich Netzpolitik repräsentieren – die Seiteneinsteigerin ist die größte Überraschung. Dass der Chef der Gewerkschaft IG Bau, der 60-jährige Klaus Wiesehügel, für den Bereich Arbeit und Soziales steht, war bereits durchgesickert.Der Agenda-Gegner als Wahlkampfhelfer Steinbrücks – ein Signal an den linken Flügel.

Steinbrücks Kompetenzteam ist auf zehn Mitglieder angelegt, je fünf Frauen und Männer. Es soll in Etappen bis zur Sommerpause vorgestellt werden.
Ob auch SPD-Bundesvize und Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Sozialministerin Manuela Schwesig dabei sein wird, ist bislang noch offen. Sie werde sich zu ihrer möglichen Rolle im Kompetenzteam nicht äußern, sagte sie dem Nordkurier. Vor vier Jahren war Schwesig überraschend in Frank-Walter Steinmeiers Team berufen worden. Einen Part ihres Fachgebietes hat jetzt Wiesehügel besetzt, möglicherweise bleibt für sie der Bereich Familie und Kinder.

Am unspektakulärsten: Die Berufung von Thomas Oppermann, (59) Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Der Jurist verantwortet das Themenspektrum Innenpolitik im Kompetenzteam. Während der Kanzlerkandidat auf Polenreise unterwegs war, veröffentlichte er die Namen der ersten drei Kompetenzteam-Mitglieder ganz beiläufig am Nachmittag per Pressemitteilung. Grund für die Sturzgeburt: Die Namen sprachen sich bereits herum. Die gebührende persönliche Präsentation der Drei durch den Kandidaten soll es zu Wochenbeginn geben.

Wer ist Koch und wer ist Kellner?

Kompetenzteam und Kompetenzgerangel: Gerade erst der Streit um das Tempolimit, in dem der Kanzlerkandidat den Vorstoß von Parteichef Sigmar Gabriel abgeblockt hatte. Nun sucht Steinbrück angesichts von Indiskretionen um sein Team die Flucht nach vorn. Er stellte die ersten drei schon einmal schriftlich vor: „Gesche Joost ist eine exzellente Kennerin aller Entwicklungen unseres zunehmend digitalisierten Lebens“, schrieb der Kanzlerkandidat zur Begründung für seine Wahl. Themen wie Neuregelung des Urheberrechts oder die gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität seien bei ihr „in guten Händen“. Die Fachfrau, die in Sachen Netzpolitik bei jungen Wählern punkten soll, hatte an der Fachhochschule Köln Design studiert und an der Uni Tübingen in Rhetorik promoviert. Sie gehört bereits seit dem Jahr 2006 zu Steinbrücks persönlichem Beraterkreis.

Mit Wiesehügel, der zwischen 1998 und 2002 SPD-Bundestagsabgeordneter war, habe er „einen in der Wolle gefärbten Gewerkschafter gewinnen“ können, freut sich Steinbrück.Thomas Oppermann, die parlamentarische Allzweckwaffe der SPD, darf sich von den dreien am ehesten Hoffung auf das Innenminister-Amt machen, falls die SPD an einer künftigen Bundesregierung beteiligt wird. Ein Schattenkabinett? Der Kanzlerkandidat hat stets betont, dass es das nicht sein solle: Die Auswahl und die Zuständigkeiten orientieren sich nicht an den klassischen Ressorts.