Untersuchung über junge Kriminelle:

Strafen ohne Wirkung lassen Studenten aktiv werden

Viele junge Kriminelle in Neubrandenburg empfinden Arbeitsstunden nicht als Strafe. Dies hat David Studier herausgefunden und nach Ursachen geforscht.

Über die Wirkung von verhängten Strafen für junge Kriminelle hat David Studiers in seiner Bachelor-Arbeit geforscht.
© apops - Fotolia.com Über die Wirkung von verhängten Strafen für junge Kriminelle hat David Studiers in seiner Bachelor-Arbeit geforscht.

David Studier ist ein ganz braver Typ. Er hat noch nie etwas geklaut, niemanden verkloppt und ist auch nie Bus oder Bahn gefahren, ohne zu bezahlen. Sagt er zumindest. Das sieht bei den Jugendlichen, die der Neubrandenburger für seine Bachelor-Arbeit interviewt hat, ganz anders aus. Einige von ihnen sind mehrfach schwarzgefahren, andere haben heftigere Dinge auf dem Kerbholz wie Raub, Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung oder Fahren ohne Führerschein.

Bei seinem Praktikum in der Jugendgerichtshilfe ist David Studier aufgefallen, dass die Frist, die Jugendliche bekommen, um ihre Arbeitsstunden abzuleisten, sehr lang ist. „Sie werden verurteilt und dann passiert erst einmal lange nichts“, stellte Studier fest. Für seine Bachelor-Arbeit hat er 33 Jugendliche interviewt, die Arbeitsstunden ableisten mussten.

David Studier hat die Jugendlichen gefragt, ob sie die Arbeitsstunden im Bürgerhaus am Reitbahnsee, der Hintersten Mühle, dem Tierheim oder in anderen Einrichtungen als Strafe empfinden. Bei der Mehrheit sei dies nicht der Fall. Lediglich 14 Straftäter haben die Arbeitsstunden in der vom Jugendrichter festgelegten Frist abgeleistet. Einer der Interviewten musste sogar in Beugearrest.

Auf seine Empfehlung hin, wurden die Fristen, die junge Straftäter bekommen, jetzt teilweise gekürzt, natürlich abhängig von Einzelfällen. Auch die Anhörungen, wenn Fristen nicht eingehalten wurden, werden jetzt schneller angesetzt. Weil seine Bachelor-Arbeit einen sehr praktischen Nutzen für den Umgang mit jungen Kriminellen in Neubrandenburg hat, bekam David Studier jetzt den 1. Preis des Oberbürgermeisters. „Durch den kritischen Blick auf bestehende Verfahrensweisen der Jugendgerichtshilfe hat Herr Studier zur Optimierung dieser Prozesse beigetragen. Teilweise haben die Handlungsempfehlungen in die richterliche Praxis Einzug genommen“, heißt es in der Begründung für den Preis, der mit 750 Euro dotiert ist.

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