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Studenten zeigen Herz für Carlos und andere Patienten

Am Ende hat sie der Ehrgeiz gepackt: Als bei der Registrierungsaktion für neue Knochenmarkspender in der Hochschule fast 200 Neuspender erreicht waren, suchten die Organisatoren im Wohngebiet weitere Freiwillige, um die Marke zu knacken.

Ist ganz leicht und tut nicht weh: Auch Alexander Luck und Joana Ritzau ließen sich per Wattestäbchen als Stammzellenspender registrieren, um dem kleinen Carlos (kleines Bild) und anderen Patienten zu helfen.
Anke Brauns Ist ganz leicht und tut nicht weh: Auch Alexander Luck und Joana Ritzau ließen sich per Wattestäbchen als Stammzellenspender registrieren, um dem kleinen Carlos und anderen Patienten zu helfen.

Gelegenheit macht nicht nur Liebe, sondern auch Spender. „Ich hatte vorher schon darüber nachgedacht, aber ich wusste nicht so richtig, wo und wie“, sagte Joana Ritzau. Als die Studentin in der Hochschule von der Aktion zur Gewinnung neuer Knochenmarkspender für den zweijährigen Carlos und andere Blutkrebs-Patienten las, nutzte sie die Chance und kam ins Mensa-Foyer. „Hoffentlich hilft’s“, meinte sie. Wie sie haben am Mittwoch viele die Gelegenheit ergriffen, weil sie sich vor der Haustür bot. Auch Christina Specovius, die in der Hochschule arbeitet, wollte sich „schon immer mal“ registrieren lassen. „Jetzt war die Gelegenheit günstig“, sagte sie.

Die Aktion an der Mensa zu starten, sei clever, fand Gerrit Ruttloff. „Ich hab davon gelesen, da dachte ich, wenn du sowieso hier bist, gehst du hin. Es ist schön einfach“, erklärte der Student. Viele bogen vor oder nach dem Essen zur Typisierung ab. Studentin Franziska Prehn, die das Ganze unter dem Motto „Carlos will leben!“ initiiert und mit weiteren Helfern organisiert hat, konnte die große Resonanz kaum fassen. „Das ist mehr als super, das ist megageil“, freute sie sich, als um 12 Uhr schon der 100. Neuspender registriert war. Die 100 zu erreichen, war ihr großer Wunsch. Als die Helfer am Ende 194 neue Spender zählten, packte sie der Ehrgeiz. Sie schwärmten noch ins Wohngebiet und in eine Studentenversammlung aus, um Freiwillige zu suchen – mit Erfolg, die 200er-Marke konnte geknackt werden.

Studenten haben fast alles selbst organisiert

Dabei lief die Aktion vom Ausfüllen der Formulare über die Anleitung zum Wattestäbchen-Test bis zur Kontrolle der Unterlagen und zur Tombola als kleines Dankeschön komplett in studentischer Eigeninitiative. Als ehrenamtliche Vertreterin der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) war lediglich Kathrin Grothe dabei, die die Helfer einwies und unterstützte. „Ich bin total begeistert, wenn ich sehe, wie sich diese jungen Leute engagieren. Oft wird gesagt, junge Leute sind so gleichgültig, das stimmt überhaupt nicht“, sagte die Potsdamerin, die selbst schon Stammzellen für eine leukämiekranke Frau gespendet hat. „Ohne mich wäre sie gestorben, es gab keinen anderen passenden Spender“, erzählte sie.

Einem Patienten helfen zu können, darauf hofft auch Beke Küsener. „Als ich in der Grundschule war, hatte eine Klassenkameradin Leukämie, da wurde auch ein Spender gesucht“, sagte die Studentin. Deshalb habe sie schon öfter an eine Registrierung gedacht – und nutzte jetzt die Gelegenheit. „Wenn ich jemandem damit helfen kann, ist das mein Sechser im Lotto“, erklärte Gerrit Ruttloff. Im Vergleich zum Lotto-Sechser stehen die Chancen gar nicht so schlecht. Etwa ein Prozent der Registrierten wird tatsächlich zum Spenden gebeten.