Rekordernte und mieses Wetter:

Zuckerrüben verfaulen auf den Feldern

Zucker ist ein wichtiges Lebensmittel. Doch in der Region liegen tausende Tonnen Zuckerrüben ungenutzt am Straßenrand. Wieso?

Süße Ernte mit inzwischen bitterem Beigeschmack: Die Rüben liegen noch immer auf den Feldern.
Sigrid Werner Süße Ernte mit inzwischen bitterem Beigeschmack: Die Rüben liegen noch immer auf den Feldern.

In Afrika verhungern Menschen und in unserem Wohlstandsland vergammeln Lebensmittel. Das findet unser Leser Hans Jeschke aus Luisenhof. ­Tausende Tonnen Zuckerrüben liegen derzeit noch auf den Feldern am Straßenrand. Sie verfaulen dort und niemand kann etwas dagegen tun. Das ärgert den 79-jährigen Rentner. 

„Das ist zwischen Burg Stargard und Lindenhof so und auch zwischen Ihlenfeld und Neuenkirchen“, zählt er Beispiele auf. Ob die ­Zuckerfabrik die Rüben nicht mehr annimmt, fragt sich Hans Jeschke. Auf jeden Fall sei das für ihn ein Skandal und das müsse einmal ausgesprochen werden. Dabei gibt er den Land­wirten keine Schuld. Auch die ­Zuckerfabrik müsse rentabel arbeiten und könne nur so viele Rüben annehmen, wie es Abnehmer für den süßen Stoff gibt. Die Industrie sei somit Schuld an den der­zeitigen Zuständen. „Und das geht mir gegen den Strich.“ 

Rekordernte eingefahren

Horst Jeschke kommt selbst aus der Landwirtschaft. Er hat lange als technischer Ingenieur in Trollenhagen gearbeitet und später unter anderem bei der VEG Obstbau als Sicherheitsingenieur. Jetzt sei er Rentner, komme aber noch viel herum, wobei ihm die vielen Rüben auf den Feldern aufgefallen seien. 

Einigen Landwirten dürfte die Freude über die Zuckerrüben-Rekordernte im vergangenen Jahr tatsächlich vergangen sein. Uwe Pukys von der Agrargesellschaft in Cölpin kann davon ein Lied singen. „Wir haben Anfang Januar unsere Rüben ab­geliefert“, sagt er. Tatsächlich liegt hinter den Landwirten ein Rekordjahr. Wenn normalerweise auf einen Hektar 65 Tonnen Rüben geerntet werden, so waren es im vergangenen Jahr 81 Tonnen. Und dabei handele es sich um Durchschnittswerte.

Hochbetrieb in der Zuckerfabrik

Pukys weiß, dass es Landwirte gab, die mehr als 100 Tonnen Rüben auf einem Hektar geerntet haben. In der Zuckerfabrik Anklam, der einzigen in der Region, herrscht deshalb Hoch­betrieb. Normalerweise ist die Kampagne Anfang Januar vorbei. In diesem Jahr geht es noch bis Anfang Februar ­weiter. Dort gebe es jedoch nur begrenzte Verarbeitungsmöglichkeiten und deshalb liegen bis jetzt noch so viele Rüben auf dem Feld.

Doch es kommt noch etwas erschwerend hinzu: Die Wetterlage. Die Rüben liegen in Mieten am Feldrand und sind zumeist mit riesigen Fleecedecken gegen das Wetter geschützt. Allerdings ist es zu warm und zu feucht in diesem Winter. Frost würde den Rüben kaum schaden, aber bei dem derzeitigen Wetter können die Rüben ­tatsächlich verfaulen. Die Qualität ist dahin.

Transport ist derzeit schwierig

Kreisbauernverbandschef Jost Matzdorf hatte bereits darauf hingewiesen, dass der Abtransport sich häufig als schwierig erweise. Der Boden sei so aufgeweicht, dass es nicht ohne Schaden abgehe, wenn die schweren Lkw die Ladung aufnehmen. So bleibt nach der süßen Ernte nun ein bitterer Beigeschmack.