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Tod auf der Kanzel sorgt für Spekulationen

Harte Tage für die Jäger der Region: Nach dem Tod eines Waidmannes bleiben viele Fragen und große Fassungslosigkeit. Es gibt keine Zeugen für das, was sich auf dem Hochsitz im Wald bei Roggenhagen ereignet hat.

Nach dem Tod eines Jägers im Wald bei Roggenhagen brodelt die Gerüchteküche. Die Jäger bitten darum, sich mit Spekulationen zurückzuhalten, denn es gebe keine Augenzeugen.
Patrick Pleul Nach dem Tod eines Jägers im Wald bei Roggenhagen brodelt die Gerüchteküche. Die Jäger bitten darum, sich mit Spekulationen zurückzuhalten, denn es gebe keine Augenzeugen.

Gerhard Heiß ist aufgewühlt: „Wir haben alle noch immer damit zu tun, die Ereignisse vom Wochenende zu verarbeiten“, gibt er zu. Heiß gehört zu der Jagdgenossenschaft, die am Sonnabend im Wald zwischen Roggenhagen und Pleetz die Ansitzdrückjagd organisiert hatte. Ein Jagdgenosse kam dabei ums Leben.

Der Mann aus der Seenplatte hatte am Morgen des Tages seine zugewiesene Position auf einem Hochstand eingenommen. Am Ende der Jagd fand er sich jedoch nicht an der vereinbarten Sammelstelle ein. Als Jäger den Hochstand kontrollierten, entdeckten sie den Mann mit einer Schussverletzung im Kopf. Der Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen.

Die Polizei geht weiter von einem tragischen Jagdunfall aus. Die Kriminalisten ermitteln. Doch die Ereignisse sind so unfassbar, dass die Gerüchte und Spekulationen weit darüber hinaus gehen. Von Mord und Selbstmord ist unter anderem die Rede. Unter den Jägern wird ebenfalls viel über das Thema gesprochen, sagt Gerhard Heiß. Das sei besser als nur darüber zu schweigen. Aber niemand weiß, wie es genau passiert sei. „Und deshalb sollte sich auch jeder mit Spekulationen zurückhalten“, fordert der Roggenhagener. Der Mann habe sich allein auf der Kanzel befunden. Es gebe keine Augenzeugen.

Jagd in Roggenhagen soll nicht in Frage gestellt werden

„Bisher gibt es auch keine Anhaltspunkte auf Fremdeinwirkungen“, erklärt Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler. Die kriminaltechnische Untersuchung laufe. Tragischer Unfall oder Selbstmord? Die Frage wird wohl auch der Staatsanwalt nicht abschließend beantworten können. Einen Abschiedsbrief gebe es nicht, sagt Gerd Zeisler.

Der tragische Tod des Jägers werfe ein schlechtes Licht auf das Waidwerk, weiß Gerhard Heiß. Auch die Gesellschaftsjagd leide darunter. Es gebe hin und wieder unter anderem Kritik an der Größe der Jagd. Rund
70 Schützen finden sich traditionell immer Anfang Dezember in Roggenhagen ein. „Wir machen das seit25 Jahren und haben Erfahrungen.“ Niemand könne sich jedoch selbst nach all diesen Jahren von Fehlern freisprechen. Das sei ähnlich wie im Straßenverkehr. „Fehler sind menschlich.“

Die Stimmung unter den Jägern ist getrübt, geradezu rabenschwarz. „Wir haben nach den Vorfällen am Sonnabend noch lange zusammen gesessen“, beschreibt Gerhard Heiß die Situation. Die Traditionsjagd in Roggenhagen will er aber wegen dieses Vorfalls nicht in Frage stellen. Seinem Hobby wird der Roggenhagener nach diesen Ereignissen ebenfalls nicht abschwören. „Ich werde auch weiterhin zur Jagd gehen, allerdings jetzt noch vorsichtiger als vorher.“