Kinder in Gefahr:

Üble Anmache übers Netz nimmt zu

Ob Mobbing, Belästigung oder Diebstahl - wer sich im Internet bewegt, sollte die Gefahren kennen. Doch was ist, wenn Kinder in die Fängen Krimineller oder Perverser gelangen?

Im Internet lauern jede Menge Gefahren.
Arne Dedert Im Internet lauern jede Menge Gefahren.

Es ist schon verwunderlich: Präventionsberater Ino Nattermann sprach im vergangenen Jahr in 40 Schulen über Amok, aber lediglich in sechs Schulen zu Mobbing im Netz. „Das stimmt doch nicht mit der Realität überein“, sagt der Polizeihauptmeister. Er absolvierte eine Ausbildung im Brandenburgischen zu all den Themen,  die das Internet und die damit zusammenhängende Gefahren betreffen.

Das Verhältnis müsste andersherum sein, ist er sich sicher. „Ich glaube in Sachen Internetkriminalität gibt es eine große Grauzone.“ Bei ihm würden sich meist dann die Schulen melden, wenn das Kind sozusagen schon in den Brunnen gefallen ist. Da werden zum Beispiel an Gymnasien Videosequenzen aus Diskotheken verbreiten, mit bösen Kommentaren wie Schlampe oder ähnlichem. Er habe aber auch schon von Schülern bei Gesprächen zu hören bekommen, dass das alles kein Mobbing sei, sondern ein „normaler“ Umgangston. Cybermobbing als eigenständiger Straftatbestand gebe es nicht, es gehe hier um Beleidigungen, Bedrohungen oder Belästigungen. Oft scheuen Lehrer die Auseinandersetzung mit dem Thema, so seine Vermutung.

Cybergrooming - das Streicheln und Anmachen im Netz

Eine andere Sache hätte aber vor allem in den zurückliegenden zwei Jahren zugenommen. Das sogenannte Cybergrooming, das „Streicheln“ oder „Anmachen“. Davon sind Kinder betroffen. Es sind Spiele ohne Altersbegrenzung, bei denen sich die Kinder nicht anmelden müssen. Pädophile versuchen zunächst das Vertrauen der Mädchen und Jungen zu erschleichen. Dann bitten sie um Oben-ohne-Fotos, die die Kinder dann arglos verschicken. Ziel der unter falscher Identität auftretenden Täter sei oft ein reales Treffen zu erreichen, so der Präventionsberater. Er rate Eltern dringend mal Spiele ihrer Kinder mitzuspielen. Eine Mutter habe ihm erzählt, dass es nur fünf Minuten dauerte, ehe ein erster Anbahnungsversuch erfolgte.

Anzeigen haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt

Auch Pressesprecherin Eike Witthoff  ist klar, dass im Bereich der Internetkriminalität nicht alles angezeigt wird und vieles in einer Grauzone verschwindet. Sie kann natürlich nur über die offiziellen Anzeigen reden. Die haben sich im Vergleich der Jahre 2012 zu 2013 in der Polizeiinspektion verdoppelt. Das heißt, im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte stiegen die Anzeigen von 728 auf 1469. In Neubrandenburg dominierte in diesen Jahren vor allem der Internetbetrug. Auch er hat sich in der Stadt im Laufe eines Jahres verdoppelt. 2012 wurden 145 Betrugsfälle angezeigt und 2013 waren es schon 297. „Der Internetbetrug ist facettenreich“, sagt die Polizeisprecherin. Sie erinnerte zum Beispiel an einen Fall in der Region. Hier hatte ein Betrüger sich 25 Pakete an eine falsche Adresse liefern lassen. Er hatte für den Tag der Lieferung einfach den Namen an den Briefkasten oder die Tür geklebt.

Auch beim Onlinebanking sollte man darauf achten, dass man sich auf den richtigen Seiten bewegt und seine TAN-Nummer, sozusagen die Unterschrift im Internet, nicht zweimal eingibt. Ino Nattermann hat noch einen guten Tipp, um gegen Betrüger am Bankautomaten gefeit zu sein. „Man kann mit der Kasse ein Tageslimit vereinbaren, zum Beispiel 200 Euro.“ Mehr bekommen die Diebe dann nicht mit einer gestohlenen EC-Karte und der PIN. „Nur wenn man selbst  in Urlaub fährt und die Karte nutzen will, darf man nicht vergessen, das Limit aufzuheben“, fügt er noch seinem Rat hinzu.