Dorf-Bürgermeister befürchten Einwohnerklau:

777 Euro Prämie fürs Wohnen in der Stadt

Wer jetzt nach Neubrandenburg zieht, kann sich auf einen ordentlichen Batzen Geld freuen - vorausgesetzt, er hat den richtigen Vermieter. Und genau auf den sind die Bürgermeister aus den Dörfern stinksauer.

Bei Wohnungssuchenden durchaus begehrt sind die sanierten Punkthochhäuser der Neuwoba in der Neubrandenburger Oststadt. Doch um Mieter für andere Wohnungen zu finden, hat der Neubrandenburger Vermieter seine Fühler ins Umland ausgestreckt - zum Ärger der dortigen Bürgermeister.
Udo Zander Bei Wohnungssuchenden durchaus begehrt sind die sanierten Punkthochhäuser der Neuwoba in der Neubrandenburger Oststadt. Doch um Mieter für andere Wohnungen zu finden, hat der Neubrandenburger Vermieter seine Fühler ins Umland ausgestreckt - zum Ärger der dortigen Bürgermeister.

Ein unmoralisches Angebot? Für Jan Umlauft ganz klar: Ja. Der Bürgermeister der Gemeinde Datzetal ist stinksauer auf die Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft (Neuwoba). Denn der Ver­mieter aus Neubrandenburg versucht gegenwärtig, Mietern aus den Dörfern seine Wohnungen in der Viertorestadt schmackhaft zu machen. „Das ist moralisch mehr als ver­werflich“, schimpft Jan Umlauft, der einen Wegzug der angeschriebenen Einwohner befürchtet.  

In der Gemeinde Datzetal war ein auf den 11. Oktober 2013 datierter Brief auf­getaucht, in dem die Neuwoba Dorfbewohner zum Umzug in die Viertorestadt ermuntert hat. Sogar eine Prämie von 777 Euro ist für den Wechsel in die Stadt in Aussicht gestellt worden.

„Das ist eine Frechheit, das ist unerhört“, machte Jan Umlauft seinem Ärger während der jüngsten Zusammenkunft des Amts­ausschusses Luft. Er schlug dem Ausschussvorsitzenden Frank Nieswandt vor, Neuwoba-Vorstandssprecher René Gansewig zur nächsten Sitzung einzubestellen, um ihm gehörig die Meinungzu sagen. „Wehret den Anfängen“, lautete Umlaufs Aufruf.

Damit fand der Datzetal-Bürgermeister die einhellige Unterstützung der Ausschussmitglieder. „Das ist nicht nur schlechter Stil, das ist gar kein Stil“, schimpfte auch Friedlands Bürger­meister Wilfried Block. Pikant ist die Neuwoba-Offerte vor allem deshalb, weil das Unternehmen Geschäfts­besorger der Friedländer ist und Wohnungen in der Stadt betreut. „Bei einer solchen Verbindung muss ich vom Dienstleister Loyalität erwarten. Die Neuwoba hat das Vertrauen arg erschüttert“, erklärte Block.

Das sieht Neuwoba-Vorstandssprecher Gansewig anders. „Wir leben in einem freien Land“, sagt er. „Wir stehen dazu.“ Für die Neuwoba sei es ein Test gewesen, Mieter zu gewinnen in Bereichen, „wo wir keine geschäftlichen Beziehungen pflegen“. Das sei durchaus legitim. Schließlich habe er kein unmoralisches Angebot gemacht. Das sei das gute Recht der Genossenschaft, schließlich lasse der Wettbewerb das zu. Man habe ausschließlich Wohnungen in Neubrandenburg angeboten. Die Resonanz auf die Schreiben sei bisher jedoch äußerst gering ausgefallen, gibt Gansewig zu.

Bürgermeister Jan Umlauft bezeichnet das Vor­gehen indes als Wilderei. „Im Amtsbereich gilt für uns die Regel, dass wir uns gegenseitig keine Mieter abjagen“, betont er. Das gelte auch für einen Friedländer Dienst­leister wie die Neuwoba.

 

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