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Verrückte schwören auf wundervolle Texte

VonAnett SeidelVerrückt, einfach verrückt nach Jürgen Walter. Kein Fanclub, sondern ein Freundeskreis liebt und lebt die Musik des Sängers, der zu ...

Kristina Kurzke aus Eichhorst hat vor vielen Jahren den Freundeskreis Jürgen Walter ins Leben gerufen. Am Freitag wird der Sänger im Latücht in Neubrandenburg erwartet.  FOTO: Anett Seidel

VonAnett Seidel

Verrückt, einfach verrückt nach Jürgen Walter. Kein Fanclub, sondern ein Freundeskreis liebt und lebt die Musik des Sängers, der zu DDR-Zeiten eine Größe war, bis heute.

Eichhorst.Kristina Kurzke hat sie alle – die vier Amiga-LP, sechs CDs, die nach der Wende erschienen, die Singles, Fotos, Zeitungsausschnitte, ja sogar Collagen, die ihr einst Kollegen bastelten, hat die Eichhorsterin aufgehoben. „Ich bin mit der Musik aufgewachsen“, sagt sie.
Der Begriff Fan gefällt der ehemaligen Bibliothekarin zwar nicht, aber er ist treffend. Als Kristina Kurzke Gisela Steineckert 1997 in Friedland traf, konnte sie nicht umhin und fragte sie nach dem Sänger, dessen Musik sie durchs Lebens begleitet hat. Dass die Eichhorsterin an der richtigen Adresse war, wusste sie. Gisela Steineckert schrieb Texte für den Sänger. Zu dem Zeitpunkt drohte Jürgen Walter in Vergessenheit zu geraten, CDs waren längst aus den Regalen verschwunden. „Wer kannte ihn denn noch“, so Kristina Kurzke.
Die Telefonnummer in den Händen, nahm die Eichhorsterin einst allen Mut zusammen. Alle Aufregung war umsonst, „wir plauderten eine dreiviertel Stunde miteinander“. Aber der Grundstein für den Freundeskreis war gelegt. Noch im selben Jahr, aufgrund dessen in der Zeitung unter der Rubrik „Verrückte Leute“ vorgestellt, gesellten sich daraufhin weitere „Verrückte“ zu den Kurzkes. Heute vereint den Freundeskreis Jürgen Walter nicht nur die Liebe zu der Musik, sondern auch eine Freundschaft, die längst darüber hinaus geht.
Aber ohne Jürgen Walter geht es nicht. Am Freitag freuen sich die Mitglieder des Freundeskreis auf ein Wiedersehen mit dem Sänger. Der wird zu einem Konzert im Latücht in Neubrandenburg erwartet. Jürgen Walter singt an diesem Tag nicht nur für seinen Freundeskreis, sondern für alle, die seine Musik mögen oder auch neu entdecken wollen.
Als Musik zum Zuhören, bezeichnet Kristina Kurzke die Chansons. Zu DDR-Zeiten gefordert und gefördert, schaffte es Jürgen Walter zu einer eigenen Show im Friedrichstadtpalast, war im Ausland. „Er war schon wer, aber er hat sich nie verbiegen lassen“, findet Kristina Kurzke. 1997 wagte der Freundeskreis zu einem ersten Konzert ins Latücht einzuladen. Von wegen vergessen: „Die Nachfrage war so groß, dass er an diesem Tag zwei Konzerte geben musste.“ Ein Jahr darauf sang er vor vollem Haus im Schauspielhaus. Nur das HKB war eine Nummer zu groß – aber immerhin auch noch halb voll und ein Abschied mit Standing Ovation. Kleinere Sachen im Speicher Woggersin oder auch in Lehsten folgten.
Kristina Kurzke schwört „auf die wunderbaren Texte“, die sie bereits beim ersten Fernsehauftritt 1972 überzeugt haben. Seitdem ist der Sänger aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken und auch ihr Mann liebt die selben Töne. Heute kommt es vor, dass Jürgen Walter bei ihnen auf der Terrasse sitzt. Zum Geburtstag hat er Kristina Kurzke einmal um 0 Uhr angerufen und es gab Ehrentage, wo er zwei neue Lieder verschenkt hat. „Wir sind froh, dass wir uns über Jürgen Walter gefunden haben“, sagt die Rentnerin heute über den Freundeskreis. Und ein Stück haben sie auch dazu beigetragen, dass der Musiker doch nicht ganz in Vergessenheit geraten ist.

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