Probleme bei der Feuerwehr :

Viele Chefs lassen Kameraden nicht zum Einsatz

Sie bekämpfen Brände und retten Menschenleben. Obwohl die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Großes leisten, zeigen nicht alle Unternehmer Verständnis für dieses Ehrenamt.

Besonders bei Verkehrsunfällen ist die ehrenamtliche Arbeit der Kameraden unverzichtbar. Doch nicht selten scheuen sie den Einsatz – aus Angst, ihren Job zu verlieren.
Felix Gadewolz Besonders bei Verkehrsunfällen ist die ehrenamtliche Arbeit der Kameraden unverzichtbar. Doch nicht selten scheuen sie den Einsatz – aus Angst, ihren Job zu verlieren.

Gerhard Polley ist seit vielen Jahren Kamerad in der Grapzower Feuerwehr und schlägt Alarm. Nicht nur der Nachwuchsmangel bereitet Probleme, auch um die Einsatzbereitschaft der aktiven Kameradensorgt er sich: „Viele Aktive wollen ja zu Einsätzen fahren, haben aber Angst dann ihren Job zu verlieren“, sagt der Ruheständler.

Denn in der Tat sei vielen Unternehmern nicht bewusst, dass sie laut Gesetz verpflichtet sind, ihre Angestellten von der Arbeit freizustellen – im Falle eines Einsatzes. Das weiß auch Norbert Rieger. Er ist der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Mecklenburgische Seenplatte und verweist auf das Brandschutz- und Hilfeleistungsgesetz im Land (BrSchG), das seit 2002 gilt: „Der Arbeitgeber oder Dienstherr ist verpflichtet, für diesen Zeitraum das Arbeitsentgelt einschließlich aller Nebenleistungen und Zulagen fortzuzahlen.“

Doch das Problem sei nicht nur, dass viele Betriebe darüber nicht ausreichend informiert sind. „Selbst wenn sie es wissen, sitzen sie am längeren Hebel“, sagt Rieger. Auch der Wehrführer des Amtes Stavenhagen, Gerrit Lange, weiß, dass viele Kameraden sich gar nicht trauen zu fragen, ob sie zum Einsatz dürfen. Betriebe würden oft einen enormen Druck ausüben und dem Angestellten vermitteln „Wenn du jetzt gehst, dann für immer“, so Lange. Dabei werde dem privaten Arbeitgeber der Arbeitsausfall auf Antrag erstattet. Die Kommunen kommen dafür auf. Dem Betrieb entstünde also kein wirtschaftlicher Schaden, so Lange. Zudem würden viele Kameraden extra Urlaub nehmen, wenn Übungen und Lehrgänge anstehen. Gesetzlich müssten sie das jedoch keineswegs. „Viele wollen sich nicht mit ihrem Chef auseinandersetzen“, so Wehrführer Matthias Lieckfeldt. In der Altentreptower Wehr gebe es diese Probleme allerdings weniger, da viele der Kameraden im Bauhof, also bei der Stadt, arbeiten. „Die kriegen natürlich frei“, weiß Lieckfeldt.

Ein großer Arbeitgeber der Region ist auch die Komesker GmbH. Etwa zehn Angestellte des Betriebes sind Aktive in der Feuerwehr. „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir freistellen“, sagt Geschäftsführer Manfred Komesker. „Die Kameraden werden dafür ausgebildet und müssen ihr Ehrenamt dann auch ausüben können.“ 

Das Hauptproblem sei immer wieder, dass viele Kameraden nicht vor Ort arbeiten, sondern außerhalb, sagt Rosenows Bürgermeister Norbert Stettin. Und in diesen Fällen sei es eben schwierig eine gute Lösung für Betriebe und Kameraden zu finden. „Es wird derzeit an einer Aktualisierung des Gesetzes gearbeitet“, weiß Norbert Rieger. „Und soll noch in diesem Jahr in Kraft treten.“ Kameraden hoffen, dass dann auch die Freistellung bei Einsätzen durch die Unternehmen präzisiert wird.

 

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