Ein Abend im Swingerclub:

"Wenn das unsere Kinder wüssten"

Im Schwandter Club "Namenlos" tummeln sich Paare, Männer und Frauen, die das besondere Erlebnis suchen. Ob nur zuschauen oder selbst aktiv werden, das entscheiden Spontanität und Sympathie.

"Alles kann, nichts muss", lautet der Leitspruch im Schwandter Swingerclub.
Paulina Jasmer "Alles kann, nichts muss", lautet der Leitspruch im Schwandter Swingerclub.

Manfreds Brusthaare kräuseln sich ergiebig entlang des tiefen Ausschnitts seines Unterhemds. Es ist aus Baumwolle und grau. Dazu eine kurze blaue Hose. Sie raschelt, wenn er sich bewegt. "Ich zieh doch keinen String an, so wie manche", macht er deutlich. Das kneift so und außerdem sei das ganz schön unmännlich. Seine brünette Brigitte, die neben ihm auf einem Barhocker sitzt, trägt indes ein schwarzes Negligé mit Pailletten. Die 57-Jährige hat goldene Ringe, Ohrringe und auch ein auffallende rote Uhr angelegt. Ihre Füße stecken in Badelatschen.

Die Frage, was sich denn alles "unten drunter" schickt, ist in diesem Rahmen schon wichtig. Denn im Swingerclub "Namenlos" in Schwandt sollen es schon aufregende Dessous sein, die Mann oder Frau zur Schau trägt. Brigittes Unterwäsche hat Manfred ausgesucht. Auf seinen Geschmack sei Verlass.

Die Beiden, die einen Anfahrtsweg von etwa 80 Minuten in Kauf genommen haben, sind an diesem Abend die ersten Gäste im Swingerclub, den es schon seit 13 Jahren am Fuße der Schwandter Kirche gibt. Betreut werden sie heute von Simon Peters. Seine Eltern, Monika und Karl-Heinz Peters, sind im Urlaub. Doch das Geschäft müsse ja weiter laufen, daher teilt sich der 37-Jährige die Aufgabe mit seinem Schwager. In seinem weißen T-Shirt, seiner roten Badehose und den Flip Flops sieht er ein bisschen wie ein Bademeister aus. "Ja", bestätigt er, ein wenig verlegen. Aber es ist nun einmal recht warm im Swingerclub. Muss es ja auch sein, wenn die Leute nur in Unterwäsche ihren Abend von 21 bis 2 Uhr verleben. Das ist am Freitag und Sonnabend möglich.

Manfred und rigitte kommen schon seit mehr als zwei Jahren in den Schwandter Swingerclub. Niemand weiß davon. "Wir wohnen aufm Dorf. Ha, da wäre was los, wenn das rauskäme", sagt Manfred. Auch Sohn und Tochter hätten keinen Schimmer vom munteren Hobby der Eltern. "Wer will schon wissen, was die Eltern treiben und das am Ende noch gut finden?", fragt Manfred.

Nach einem Herzinfarkt und einem Schlaganfall könne er im Bett nicht mehr so wie früher. Ständig habe er da Affären gehabt. Seine Brigittehabe von den Frauen gewusst - und immer zu ihm gehalten. "Na, und warum soll ich ihr das jetzt nicht gönnen, was ich früher alles hatte?", fragt Manfred. Brigitte ist auch diejenige, die entscheidet, wann es nach Hause geht. Da bewahrheitet sich auch der Schwandter Swingerclub-Slogan: Alles kann, nichts muss. 

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