Leerstand belastet die Stadtkasse :

Wird der Kulturfinger zum Schuldenturm?

Eine Entscheidung mit Weitblick - so wirbt die Neuwoges für Büroflächen im HKB-Turm. Weitblick fehlte aber wohl der Stadt, als sie neun Etagen anmietete. Denn der Mietvertrag dauert noch lang und könnte zur Kostenfalle werden.

Großbaustelle HKB: Selbst wenn das Projekt langsam auf eine Fertigstellung zusteuert, sind damit noch längst nicht alle Probleme gelöst. Klappt die Vermietung nicht wie erhofft, könnte das für die Neubrandenburger Stadtkasse Probleme bedeuten.
Andreas Segeth Großbaustelle HKB: Selbst wenn das Projekt langsam auf eine Fertigstellung zusteuert, sind damit noch längst nicht alle Probleme gelöst. Klappt die Vermietung nicht wie erhofft, könnte das für die Neubrandenburger Stadtkasse Probleme bedeuten.

„Repräsentative Räume mit allem Komfort in 1a-Citylage“, heißt es in einer Werbeanzeige für die Büros im HKB-Turm. Angelockt wurden bisher aber nur wenige. Von 14 Etagen stehen sieben leer. Für die Neuwoges als Bauherr ist das aber keine beunruhigende Situation. „Aus Sicht der Neuwoges ist alles vermietet“, sagt deren Geschäftsführer Frank Benischke auf Anfrage des Nordkuriers.

Was vielleicht etwas in Vergessenheit geraten ist: Die Stadt hat die Etagen 1 bis 9 angemietet. Hier sollte ursprünglich die Volkshochschule einziehen. Als diese aber in Trägerschaft des Landkreises überging, platzten die Pläne. Denn Landrat Heiko Kärger wollte lieber im Gebäude im Bienenweg bleiben und nannte vor allem Kostengründe. Der Mietvertrag zwischen der Stadt und der Neuwoges hat aber trotzdem Bestand und zwar bis 2034, wie die Verwaltung mitteilt. 

Gut 85 000 Euro pro Jahr gehen flöten

Die Stadt trägt also für noch mindestens 20 Jahre das Risiko. Wenn, wie jetzt, sieben der neun angemieteten Etagen leerstehen, hat die Stadt keine Einnahmen, zahlt aber trotzdem Miete an die Neuwoges. Wie viel, das will das Städtische Immobilienmanagement nicht verraten. Denn diese Informationen seien „nicht öffentliche Vertragsbestandteile“.

Also kann man nur überschlagen. Aktuell wirbt die Neuwoges mit Mieten von 10,50 Euro pro Quadratmeter ohne Nebenkosten. Eine Etage hat etwa 97 Quadratmeter. Das würde pro Etage pro Monat also 1018 Euro machen. Stehen sieben Etagen leer, bedeutet das 7129 Euro verbranntes Geld. Auf das Jahr gerechnet sind es 85 554 Euro, die der Stadtkasse fehlen.

Wie unsere Zeitung erfahren hat, zahlen die jetzigen Mieter aber nur zwischen 8 und 9 Euro pro Quadratmeter, also weniger als der Preis, mit dem die Neuwoges aktuell in die Werbung geht. Eigentlich waren optimistische 14,50 Euro pro Quadratmeter bei Baubeginn ausgerufen worden. Der Markt regelt den Preis und das könnte zu Lasten des Steuerzahlers gehen. Denn wenn die Stadt die Etagen teurer angemietet hat als der Immobilienmarkt das hergibt, muss sie draufzahlen.

Ein Hausmeisterbüro mit Weitblick

Die Vermarktung der Stadt-Etagen macht die Stadt natürlich nicht selbst. Dafür ist die Neuwoges zuständig. Denn mit der wurde ein Verwaltervertrag abgeschlossen. Der beinhaltet nicht nur Reinigung und Wartung, sondern auch die Vermarktung der Büros. Die Neuwoges also, die sagt, dass schon jetzt alles vermietet ist, wird dafür sorgen, dass nun wirklich alles vermietet ist.

Mieter für die leeren Stadtetagen stehen bereits in Aussicht. In das erste Obergeschoss, das seit Monaten ein Musterbüro ist, wird die Bibliothek einziehen. Im vierten Obergeschoss sollen Nebenräume und das Büro einer Gaststätte von Haus C rein. Dies soll im ersten Quartal 2015 geschehen. Im siebten Obergeschoss entstehen bis Jahresende Büros für die Hausinspektion, Haustechnik, ein Besprechungsraum und eine Behindertentoilette. Dann hat zumindest der Hausmeister Weitblick.