Kein DSL für Strelitzer Dörfer:

Anbieter bleiben trotz Ausschreibung aus

In Lüttenhagen und Weitendorf in der Feldberger Seenlandschaft werden die Bewohner vorerst nicht schneller durchs Netz surfen. Dabei war der Ausbau schon beschlossene Sache.

Weiterhin müssen die Bewohner in Weitendorf und Lüttenhagen mit Internet über Mobilfunk vorliebnehmen. Die Variante funktioniert bei vielen mehr schlecht als recht.
Tobias Lemke Weiterhin müssen die Bewohner in Weitendorf und Lüttenhagen mit Internet über Mobilfunk vorliebnehmen. Die Variante funktioniert bei vielen mehr schlecht als recht.

Das war dann wohl ein Schuss in den Ofen. In Lüttenhagen und Weitendorf waren die Einwohner eigentlich guter Dinge, dass demnächst der erste Spatenstich für einen Kabelschacht kommt. Für die beiden Dörfer in der Feldberger Seenlandschaft war der Anschluss an eine schnellere Internetanbindung beschlossene Sache. Doch daraus wird erst mal nichts.

„Kein einziger Anbieter hat ein Angebot abgegeben. Das ist eine richtige Klatsche, mit der wir nicht gerechnet haben“, musste jetzt Feldbergs Vizebürgermeister Reiner Stöhring das bittere Ergebnis der Ausschreibung verkünden. In den beiden Dörfern sind die Anwohner entsprechend bedient. „Damit bleibt die Situation unbefriedigend“, drückt sich etwa der Lüttenhagener Michael Packheiser noch sehr gefasst aus. Innerlich dürfte es in ihm brodeln. Erst im Vorjahr war der Elektroinstallateur mit seiner Familie ins Dorf gezogen. Ein halbes Jahr lang hatte er im Haus gar kein Internet. Denn derzeit läuft die Versorgung in Lüttenhagen und Weitendorf über die Mobilfunktechnik LTE. „Und weil da alle Kapazitäten ausgeschöpft sind, konnte uns die Telekom keinen Anschluss mehr geben“, erklärt Packheiser. 

Hoher Preis fürs Surfen mit SIM-Karte

Inzwischen surft er übers Smartphone. Mit einer zweiten SIM-Karte hat er zudem seinen PC internetfähig gemacht. „Wir bezahlen dafür natürlich einen hohen Preis. Mir würde ja schon ein Standardanschluss reichen“, sagt Packheiser. In seiner Firma, die ebenfalls nur über LTE versorgt ist, ist das Internet unabkömmlich. Übers Netz laufe zum Beispiel die Materialbestellung, der Kundenkontakt oder das Online-Banking, gibt Packheiser zu Bedenken. Deswegen hofft er, dass die Kommune den Kopf nicht in den Sand steckt und weiter am Ball bleibt in Sachen Internetversorgung.

Das will die Gemeinde Feldberger Seenlandschaft auch. „Ziel ist jetzt die Ausschreibung eines größer gefassten Gebietes“, sagt Stöhring. Weniger problematisch, aber auch nicht zufriedenstellend sei etwa die Internetversorgung in Neuhof und Carwitz. Selbst in Feldberg gebe es noch einige unterversorgte Bereiche, die nun in einer größer gefassten Ausschreibungsrunde bei der Suche nach einem Anbieter einfließen können.

Internet-Firmen warten ab

Eigentlich stehe eine Kommune nicht in der Versorgungspflicht, betont Stöhring. Die Krux bei der Sache: wenn es sich für die freie Wirtschaft nicht lohnt, passiert nichts. Froh war man in der Feldberger Seenlandschaft daher, dass über das Breitbandkompetenzzentrum Mecklenburg-Vorpommern (BKZ) ein Auftrag zustande kam. Damit wäre eine 90-prozentige Förderung drin gewesen und die Gemeinde hätte den Rest aus Eigenmittel beigetragen. Aber selbst das zog nicht bei potentiellen Anbietern.    

Ein Hintergrund der Nullrunde könne aber auch sein, dass die Internet-Firmen derzeit abwarten was passiert, vermutet Stöhring. Denn erst Anfang des Jahres ließ das Infrastrukturministerium MV verlauten, mehr Gewicht in den Breitbandausbau auf dem platten Land zu legen. Zudem ist vom Bund die Versteigerung von frei werdenden Mobilfunkfrequenzen angekündigt. Die Einnahmen daraus sollen auch in den Breitbandausbau fließen.