Bürgerprotest gegen Sackgassen-Pläne:

Anlieger fühlen sich abgeschnitten

Wenn die Mirower Ortsumgehung keinen nördlichen Anschluss an die Stadt bekommt, wird die Retzower Straße zur Sackgasse. Für Eigenheimbesitzer wäre die Ruhe ein Segen, für Gewerbetreibende ein Fluch. Sie fordern eine Planänderung.

Astrid und Thomas Hirstius betreiben in der Retzower Straße das Restaurant Ex. Wenn die Straße zur Sackgasse wird, werden sie weitaus weniger Gäste haben.
Susanne Böhm Astrid und Thomas Hirstius betreiben in der Retzower Straße das Restaurant Ex. Wenn die Straße zur Sackgasse wird, werden sie weitaus weniger Gäste haben.

Die für Mirow geplante Ortsumgehung bereitet den Gewerbetreibenden in der Retzower Straße zunehmend Sorgen. Ihre bislang noch recht stark befahrene Straße soll zur Sackgasse werden. Für die einen bedeutet dies, dass Laufkundschaft ausbleibt. Für die anderen heißt das, dass sie künftig lange Umwege fahren müssen.

Mit einer Unterschriftensammlung machen die Betroffenen die Öffentlichkeit und die zuständigen Behörden auf das Problem aufmerksam. 1300 Gäste und Einheimische haben bereits unterschrieben. Thomas Hirstius, der zusammen mit seiner Frau seit 14 Jahren die Gaststätte Ex betreibt, hat die Sammlung an die Behörden geschickt. Die Unterzeichner fordern, dass die Ortsumgehung eine nordwestliche Anbindung an die Stadt erhält.

„Durch die Sackgasse werden die Retzower Straße und unser ganzer Ortsteil degradiert. Kein Urlauber fährt mehr in unsere Richtung, dann ist dieser Teil von Mirow tot. Wenn die Umgehungsstraße im Norden keinen Anschluss erhält, rechnen wir mit erheblichen Umsatzeinbußen“, sagt Thomas Hirstius.

"Uns gehen alle spontanen Gäste verloren“

Rolf Stamm vom Campingplatz an der Kanustation Mirow teilt seine Befürchtungen. „Wir und diese ganze Ecke werden vom Publikumsverkehr abgeschnitten. Uns gehen alle spontanen Gäste verloren.“ Sein etwas abseits der Straße gelegenes Unternehmen wirbt an der Fahrbahn mit einem großen Schild und einer Holz-Skulptur. Beides wird kaum noch jemand sehen, wenn keiner mehr zufällig vorbeifährt. „Wir rechnen mit großen Einbußen.“

Wirtschaftliche Nachteile erwartet auch Jochen Mewes, der 1991 seinen Landwirtschaftsbetrieb gründete. „Ich habe grundsätzlich nichts gegen die Umgehung, aber ihre Umsetzung geht am Bürger vorbei.“ Wenn die Retzower Straße kurz hinter Mirow plötzlich endet, kommt der Landwirt nicht mehr auf direktem Weg zu seinen Ackerflächen und seinem Betriebsgelände. „Ich müsste jeden Tag durch Mirow und über Starsow fahren, das ist ein Umweg von sechs Kilometern. Während der Maisernte müsste ich rund 120 Mal mit vollem Anhänger durch Mirow und 120 Mal mit leerem Hänger zurück, wenn wir Gülle oder Gärreste fahren auch. Unsere Maschinen schlucken einen Liter Diesel pro Kilometer, das ist eine riesige Verschwendung“, beschreibt der Landwirt das Dilemma. Auch die durch seine Stadtfahrten entstehende Lärmbelästigung sei nicht zu unterschätzen. „Dabei sollte doch genau das durch die Umgehungsstraße verhindert werden.“ Er hat seine Bedenken bereits schriftlich an die Behörden geschickt.

Am Montag endet die Frist, bis zu der Stellungnahmen beim Amt Mecklenburgische Kleinseenplatte und beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr abgegeben werden können. In den kommenden Wochen und Monaten werden die Sorgen und Anregungen ausgewertet.