Thetare mit Geschichte:

Auf Zeitreise ins Grauen

Als derzeit einzige Bühne in Deutschland zeigt das Neustrelitzer Theater demnächst „Die Wannseekonferenz“. Mitwirken werden auch Schüler.

Regisseurin Isolde Wabra (rechts) im Gespräch mit den Schülern, die bei der Premiere der „Wannsee-konferenz“ mitwirken werden.
Anke Goetsch Regisseurin Isolde Wabra (rechts) im Gespräch mit den Schülern, die bei der Premiere der „Wannsee-konferenz“ mitwirken werden.

„Als ich jünger war, lag für mich die Zeit des Nationalsozialismus gefühlte 1000 Jahre zurück. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, um so näher rückt diese Zeit“, erzählt Wiebke Bernitt. Gemeinsam mit ihren Mitschülern aus dem Neustrelitzer Gymnasium Carolinum nutzt sie einen Projekttag für einen Geschichtsunterricht besonderer Art und besucht am Landestheater eine Probe zum Dokumentarstück „Die Wannseekonferenz“.

Schockiert sind die jungen Leute über das Protokoll der Gräueltaten zur Massenvernichtung der Juden, die in dem Stück in lockerer Atmosphäre von den Tätern diskutiert werden. Mit den Schauspielern sind sie dann schnell im Gespräch über Heutiges, über Gruppenzwänge, über den Umgang mit Macht.

„Ich finde es krank, etwas gegen Religionen zu haben und Islam und Terrorismus auf eine Stufe zu stellen“, sagt ein Schüler. Ein anderer: „Ich bin geschockt, denn ich dachte, dass wir in Deutschland loyaler sind“. Ein dritter macht sich Gedanken, wie die Pegida-Demonstrationen auf andere Länder wirken. Wichtig sei aber auch, dass die Demonstrationen gegen den Hass deutlich zunehmen.

Dann die Zeitreise in die Vergangenheit: In sehr einfühlsamen Worten und aus verschiedenen Blickwinkeln beschreiben Schülerinnen, was die Beschlüsse anrichteten. Bei der Konferenz wurde im Januar 1942 von hochrangigen Nationalsozialisten die Deportation und massenhafte Ermordung der jüdischen Bevölkerung besprochen.

In dem 1984 entstandenen Bühnenstück gibt es den Tagebucheintrag eines Juden, den inneren Monolog einer deutschen Frau, die ihren jüdischen Mann verloren hat, einen Dialog im Konzentrationslager. Vor dem Stück, das die Täterperspektive aufzeigt, werden die Schülerinnen ihre Texte aus Opfer­perspektive sprechen.

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