Deutlich mehr Fahrgäste:

Bahn wird vom Auslauf- zum Erfolgsmodell

Aus der von Abwicklung bedrohten Kleinseenbahn haben brandenburgische Betreiber eine Linie mit wachsenden Fahrgastzahlen gemacht. Jetzt schmieden sie sogar Pläne für die am Wege liegenden Bahnhöfe.

Karsten Attula von der Hanseatischen Eisenbahn GmbH zeigt am Bahnhof Wesenberg die neuen Winterfahrpläne, auf denen bereits der neue Name zu lesen ist. Der Schriftzug an der Bahn soll noch folgen.
Tobias Lemke Karsten Attula von der Hanseatischen Eisenbahn GmbH zeigt am Bahnhof Wesenberg die neuen Winterfahrpläne, auf denen bereits der neue Name zu lesen ist. Der Schriftzug an der Bahn soll noch folgen.

Nicht mehr lukrativ genug? Diese Einschätzung der Deutschen Bahn und der Landesbehörden kann jene Eisenbahn­gesellschaft, die seit zwei Jahren die Bahnlinie zwischen Neustrelitz und Mirow übernommen hat, ganz sicher nicht teilen. Allein in diesem Jahr verzeichnet sie einen Anstieg der Fahrgastzahlen um 40 Prozent. Im Juni wurde sogar erstmals die Marke von 10 000 Fahrgästen in einem Monat übertroffen – was vor allem den Besuchern des Fusion-Festivals in Lärz zu danken war.

„Unsere Erwartungen wurden übererfüllt“, sagt Karsten Attula, Leiter des Schienennahverkehrs bei dem brandenburgischen Unternehmen, das gerade Betätigungsfelder und Firmennamen neu ordnet. Unter dem bisherigen Namen Eisenbahngesellschaft Potsdam (EGP) rollt künftig ausschließlich der Güterverkehr; für die Personenzüge wurde der Firmenname Hanseatische Eisenbahn eingeführt. Für die Kleinseenbahn und ihre Nutzer ändert sich damit nichts, versichert der Bahn-Mann. 

Tickets gelten auch für den Bus

Vor zweieinhalb Jahren stand die Zuglinie vor dem Aus. Mit dem dann gestarteten Modellprojekt sei nun zum Beispiel eine bessere ­Verknüpfung von Bus und Bahn gelungen. Tickets gelten für beide, so dass der Fahrgast mit dem Bus hin- und mit dem Zug zurückfahren könne oder andersherum, berichtet Attula. Viele umgesetzte Vorschläge seien zudem aus den Reihen der Bürgerinitiative „Pro Schiene“ gekommen, die sich bis heute für die Kleinseenbahn stark macht.

Für die Kleinseenbahn hat die Hanseatische Eisenbahn aber auch noch weitere Pläne in der Schublade. „Wir stecken in Vertragsverhandlungen zum Ankauf der Bahnhöfe in Mirow und Wesenberg“, erklärt Karsten Attula. Denn auch dort soll sich möglichst noch etwas bewegen. Eine Buswendeschleife am Wesenberger Halt könnte Bus und Bahn noch besser verknüpfen. Zudem seien in den Gebäuden touristische Angebote wie Gastronomie, Radverleih oder Unterkünfte denkbar.