Bahn lässt Behinderte im Stich:

Bahnsteig-Lift kaputt - Rollstuhlfahrer muss umkehren

Was er auf dem Neustrelitzer Bahnhof erleben musste, war für Peter Braun der unrühmliche Höhepunkt unglaublicher Versäumnisse.

Überhaupt bis zum Bahnsteig zu gelangen, erweist sich für Peter Braun manchmal als unmöglich.
Ulrich Krieger Überhaupt bis zum Bahnsteig zu gelangen, erweist sich für Peter Braun manchmal als unmöglich.

Peter Braun ist am Neustrelitzer Bahnhof aufs Abstellgleis geschoben worden. Was nicht wortwörtlich zu nehmen ist, sondern nur sinnbildlich - denn der Rollstuhlfahrer kam gar nicht erst aufs Gleis. Nicht einmal auf den Bahnsteig, von dem der Zug nach Berlin abfährt. Der dazu erforderliche Fahrstuhl funktionierte nämlich nicht. "Da ich weder Treppen steigen noch meinen Elektro-Rollstuhl tragen kann, musste ich dem Rat der Deutschen Bahn folgen und umkehren", erklärt Braun verärgert.

In wochenlangem Hin und Her zwischen Bahn-Pressestelle in Berlin und Havariezentrale in Stralsund hatte der Nordkurier schon vor Monaten zu erfragen versucht: Was passiert, wenn der Fahrstuhl kaputt ist? Immerhin gibt es ja am Lift auf dem - leider personalfreien - Neustrelitzer Bahnhof einen Notrufknopf.

Unter allen denkbaren Varianten hat Peter Braun allerdings die ärgste erlebt. Da eilt ihm keiner zur Hilfe, da wird keine Beförderungsalternative angeboten, er muss draußen bleiben. Dass er das nicht hinnehmen wird, steht außer Frage - zumal Braun als Vorsitzender des Allgemeinen Behindertenverbandes in Mecklenburg-Vorpommern ein unermüdlicher Streiter für die Mobilität von Menschen mit Handicap ist.

Trotz Anmeldung keine Rampe an Bord

Der Rolli-Fahrer ist Kummer gewöhnt, ohne sich daran gewöhnen zu wollen. "Seit einigen Wochen beispielsweise versuche ich zum wiederholten Male vergeblich mit dem Regionalexpress von Burg Stargard nach Berlin zu fahren. Obwohl ich mich rechtzeitig angemeldet hatte, konnte ich die Fahrt nicht antreten, da keine Rampe an Bord des RE 18507 war", beschreibt er unglaubliche Zustände.

Dass es auch anders geht, bewies der private Bahnbetreiber Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (ODEG) am Sonnabend auf dem Neustrelitzer Bahnhof bei einer Sternfahrt nach Alt Schwerin. Bei der gemeinsamen Fahrt von Rollstuhlfahrern und Gehbehinderten, ob mit Rolli oder Gehstock, war Hilfsbereitschaft sofort gegeben. Eine Rampe wurde zwischen Bahnsteig und Triebwagen geleg. Der Triebwagenführer griff beherzt mit zu und alle waren zufrieden.

Mit der Fahrt wollten die Behinderten für den Erhalt der Südbahn-Strecke zwischen Neustrelitz und Hagenow eintreten. Denn Braun ist erschüttert: „Dieses barrierefreie Verkehrsangebot soll es trotz erheblicher Proteste nach Willen der Landesregierung und des Landesparlamentes im Jahr 2015 nicht mehr geben. Wir sehen mit Sorge, dass es auch in anderen Regionen des Landes schleichende Verschlechterungen des ÖPNV-Angebotes gibt."

 

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