:

Bauer hat die Freude an seinen Schweinen wiedergefunden

Nach der Tragödie vom vergangenen Herbst, als fast 1000 Borstentiere getötet werden mussten, beschränkt sich Karsten Dudziak auf das Mästen. Dabei wird es aber aller Voraussicht nach nicht bleiben.

Umringt von seinen Borstenviechern fühlt sich Bauer Karsten Dudziak wohl.
André Gross Umringt von seinen Borstenviechern fühlt sich Bauer Karsten Dudziak wohl.

Karsten Dudziak hat den Schock überwunden und die für ihn typische gute Laune zurückgewonnen. Im Landwirtschaftsbetrieb des 42-jährigen Neustrelitzer am Zierker See war Ende Oktober 2014 bei einer Sau Brucellose diagnostiziert worden. In der Folge hat Dudziak seinen gesamten Bestand an Zuchttieren verloren.

Die Tötungsanordnung der Veterinäre betraf vorbeugend 500 Sauen und Eber sowie 400 Saugferkel, die nicht mehr rechtzeitig von den Muttertieren abgesetzt werden konnten. Hingegen blieb dem Landwirt der Mastbestand erhalten. Die Ferkel werden über die Muttermilch gegen die Krankheit immunisiert und erreichen die Schlachtreife von rund 140 Kilogramm, bevor der Schutz abgebaut ist. 

„Geld kann man neu verdienen, und ich bin ja auch gegen so einen Fall versichert“, gibt sich Dudziak optimistisch. „Es hat mich vor allem emotional belastet. Mein Hof ist ja mit den Tieren in den vergangenen 15 Jahren groß geworden.“ Der Bauer hat blitzschnell reagiert und seinen Betrieb so umgebaut, dass es zu keinen Produktionsverlusten bei seinen Freilandtieren gekommen ist. 

Vorerst betreibt Dudziak keine Zucht mehr, sondern konzentriert sich auf die Mast. Dazu kauft er aus einem anderen Freilandbetrieb Ferkel dazu. Momentan stehen per Sondergenehmigung auch zur Freude der Spaziergänger 150 Tiere vor den Hütten am Wiesenthaler Weg, weitere 1000 Tiere tummeln sich in zwei offenen Ställen.

Ursache der Infektion ist noch immer nicht klar

Unterdessen sind Rostocker Wissenschaftler immer noch den Brucellose-Erregern auf der Spur. Drei Mal waren sie auf dem Hof. Vermutet wird, dass sie von Wildtieren der Umgebung eingeschleppt wurden. Einheimische Jäger sind aufgefordert, Proben von geschossenen Wildschweinen oder Hasen einzuschicken. „Ich gehe davon aus, dass die Infektion schon länger in der Herde steckte, die Tiere aber wegen ihrer guten Konstitution Antikörper gebildet hatten“, glaubt der Bauer. So sei die Krankheit zunächst nicht aufgefallen.

Für Karsten Dudziak war die Tragödie vom vergangenen Herbst auch Anlass, über neue Aufgabenfelder nachzudenken, selbst wenn er genug Arbeit hat. So will sich der ehemalige Weltklasseruderer noch stärker beim WSV Einheit Neustrelitz engagieren. Sein Herz für Schweine hat zwar geblutet, es schlägt aber weiter in der Brust des Bauern. „Irgendwann fange ich wieder an zu züchten“, ist er sich sicher. Allen Gefahren von außen zum Trotz rückt Dudziak von der Freilandhaltung nicht ab. „Das ist meine Auffassung von tiergerechter Haltung, und die macht mir unendlich viel Spaß.“