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Bauleute hauen auf den Putz

VonMarlies SteffenBei der Verwandlung der Alten Post in ein Kulturquartier ist man kurz vor der Vollendungdes Rohbaus. Bevor der Ort für Kultur und ...

Ein imposanter Blick über Neustrelitz auf die Bauseite und über Neustrelitz bietet sich von der Hofseite der Alten Post.  FOTOs (2): Marlies Steffen

VonMarlies Steffen

Bei der Verwandlung der Alten Post in ein Kulturquartier ist man kurz vor der Vollendung
des Rohbaus. Bevor der Ort für Kultur und Historie
von Mecklenburg-Strelitz bezogen werden kann, gehen aber noch fast zwei Jahre ins Land.

Neustrelitz.Wow! Was für ein grandioser Ausblick bietet sich aus dem oberen Stockwerk der Alten Post. Bis hin zum Zierker See schweift das Auge, fast möchte man sich vorstellen, mit den Bewohnern der „Belle Etage“ im Hafenspeicher bei Dunkelheit in Morse-Kontakt via Lichtzeichen treten zu können! Immerhin war die Alte Post doch ein Gebäude, dasKontakte geknüpft hat, etwa einst für Ferngespräche in den Westen!Die künftigen Kontaktknüpfungen in dem Haus, das gerade zum Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz umgebaut wird, sind jedoch andere. Wer den Ort betritt, wird neugierig auf Kultur und Historie sein.
Bis es aber soweit ist, fallen noch etliche Regentropfen auf das Dach der Alten Post. Apropos Dach. Dessen Ziegel werden demnächst komplett ausgetauscht. Ursprünglich sollte die Eindeckung nur repariert werden, die Macken der oberen Schutzhülle des Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Gebäudes erwiesen sich denn aber doch zu groß.
Die Neueindeckung bringt noch eine andere Maßnahme mit sich. Die Gauben auf der Hofseite werden zurückgebaut. Das ist nun des Einen Freud und des Anderen Leid. Freuen werden sich die Denkmalschützer. Die Fenster im Dach sind nämlich nicht Bestandteil des ursprünglich errichteten Gebäudes. Schade ist es, weil die Räume mit Fenster einen noch besseren Ausblick als von der Etage darunter bieten und sie nun ein Stück Charme verlieren. Früher wurde „janz oben“sogar gewohnt. Künftig wird das Dachgeschoss aber nur noch jede Menge Technik beherbergen.
In den unteren Geschossen ist die Sanierung zwischenzeitlich gut vorangekommen. Der Neubau auf dem Hof lässt seine künftigen Konturen ahnen. Hier stehen wesentliche Mauerelemente. In den kommenden Wochen werden die Stützen eingebracht, die später die großzügigen Glasfassade halten sollen. Der Lichtgang zwischen den alten Mauern der Post und dem Anbau ist ebenfalls zu ahnen und auch der Platz für den Fahrstuhl.
Im Hauptgebäude haben Arbeiter zwischenzeitlich mächtig auf den Putz gehauen. Dies nicht etwa, um Anglerlatein zum Besten zu geben, sondern um die alten Verkleidungen von den Ziegelwänden zu klopfen. Tischler sind dabei, die Fensteraufzuarbeiten. Die schönen hölzernen Rahmen sollen erhalten bleiben, nur die Verglasung wird sich ändern, von einfach auf doppelt. Dass zu DDR-Zeiten nicht groß an dem Haus saniert wurde, hat auch seinen Vorteil, so sind noch viele alte Details vorhanden, etwa die Fenstergriffe. Andere historische Details sind aktuell gut versteckt, so die Telefonzellen im Eingangsbereich, an die viele ältere Neustrelitzer bestimmt noch ihre eigenen Erinnerungen haben, und die Schließfächer im Flur. Sie werden im Kulturquartier von der einstigen Bestimmung der Alten Post künden.
Die Bauarbeiten sollen bis zum Herbst 2014 abgeschlossen sein. Ehe das Haus von Museum, Bibliothek, Karbe-Wagner-Archiv und Theater-Information bezogen ist, wird auch der Winter noch ins Land gehen. Im Frühjahr 1915 soll Einweihung gefeiert werden. Rund vier Millionen Euro lässt sich die Stadt ihr zuvor lange umkämpftes Projekt kosten, ein Großteil davon sind Fördermittel. Am Bau beteiligt sind vor allem regionale Firmen, sagt Kerstin Gerhardt vom Amt für Hoch- und Tiefbau der Stadtverwaltung.

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