Probleme mit dem Notruf:

Bürger beklagen lange Leitung

Abgewimmelt fühlt sich ein Woldegker Ehepaar von der Rettungsleitstelle, weil kein Krankenwagen entsendet wurde. In einem anderen Fall erreichte ein Mann erst gar nicht den Notruf in der Region. Sein Hilfegesuch landete ganz woanders. 

Auf diese Hilfe wartete ein Woldegker vergebens: Weil der krebskranke Mann ins Krankenhaus musste, rief seine Frau beim Notruf 112 an. Der Rettungswagen eilte jedoch nicht herbei.
Nicolas Armer Auf diese Hilfe wartete ein Woldegker vergebens: Weil der krebskranke Mann ins Krankenhaus musste, rief seine Frau beim Notruf 112 an. Der Rettungswagen eilte jedoch nicht herbei.

Wer in eine Notlage gerät und die 112 oder 110 anruft, der erwartet Hilfe. Die sollte auch gewährt werden – eigentlich. Dem Nordkurier wurden jetzt aber gleich in zwei Fällen gravierende Probleme mit dem Notruf in der Seenplatte geschildert. In Woldegk versuchte Cornelia Knirk vergeblich, einen Rettungswagen zu alarmieren, als ihr krebskranker Mann einen Anfall erlitt. In Grünplan bei Wesenberg suchte Wolfgang Kawell erfolglos Hilfe, als in seinem Dorf bei einem Orkan stundenlang der Strom ausfiel.

Ingo und Cornelia Knirk sind noch immer fassungslos. Es war Freitag, der 9. Januar, als das Paar einen Krankenwagen brauchte. „Meinem Mann ging es sehr schlecht. Er zitterte, hatte Fieber und bekam keine Luft mehr“, erinnert sich Cornelia Knirk. Sie rief die 112 an. Hilfe sei allerdings nicht geschickt worden. Stattdessen habe die Person am anderen Ende der Strippe geraten, den Mann ins Bett zu legen und zuzudecken, falls er friere. „Das kann doch wohl nicht sein“, ist die Woldegkerin empört. Eine Viertelstunde lang habe sie am Telefon diskutiert und die Symptome geschildert – alles vergebens. „Dann ist unser Sohn mit uns ins Krankenhaus nach Neubrandenburg gefahren“, berichtet sie. 

Mann ließ Telefon 30-mal klingeln

Wolfgang Kawell bekam es in Grünplan mit der Angst zu tun, als ein Orkan über das abgelegene Dorf fegte und stundenlang der Strom ausfiel. „Alles war dunkel, das Telefon ging nicht, die Wohnung wurde kalt“, beschreibt er. Mit dem Mobiltelefon rief er beim Energieversorger an, dort ging jedoch niemand an den Apparat. In seinem Dilemma versuchte der 73-Jährige, bei der Rettungsleitstelle einen Ansprechpartner zu finden. Doch auch unter 112 fand Wolfgang Kawell kein Gehör. „Ich habe 30 mal geklingelt, da ist niemand ’rangegangen.“ Unter der 110 erreichte der Rentner endlich eine Einsatzleitstelle, allerdings im 140 Kilometer entfernten Potsdam.

Was sich während des Orkans abspielte, wo der Fehler in der Kommunikationskette lag, kann die Rettungsleitstelle Neubrandenburg nicht nachvollziehen. „Vermutlich war der Anrufer – eben wegen des Stromausfalls – an einen anderen Anschluss oder sogar ins Leere gelangt“, meint Landkreis-Sprecherin Haidrun Pergande. Eike Wiethoff, Sprecherin der Polizeiinspektion Neubrandenburg, erklärt, es sei kein Wunder, dass Kawell am Ende in Potsdam landete. „Grünplan liegt nahe der Grenze zu Brandenburg. Wenn er mit dem Handy anrief, ging der Anruf zu einem Funkmast in Brandenburg und damit automatisch zur Leitstelle in Potsdam.“

Leitstelle habe sich korrekt verhalten

Haidrun Pergande weist darauf hin, dass der Notruf ausschließlich in lebensbedrohlichen Lagen zu wählen ist. „Bei Stromausfällen sind die jeweiligen Energieversorger Ansprechpartner.“ Wenn jemand ernsthaft in Gefahr ist, wird ihm laut Eike Wiethoff geholfen, auch wenn er in Grünplan wohnt und in Potsdam anruft. Die Leitstellen stünden in Kontakt.

Im Fall der Woldegker Familie habe sich die Leitstelle korrekt verhalten, erklärt Haidrun Pergande. „Der Disponent hatte aus den ihm zur Verfügung stehenden Informationen geschlossen, dass der Mann sich nicht in einem lebensbedrohlichen Zustand befand“, sagt sie. Dies sei anhand der Aufzeichnungen und der Dokumentation des Anrufs festgestellt worden.

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