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Das Bahnwerk zieht die Notbremse

Beim Bahnwerk werden jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt. Das wird für die Mitarbeiter schmerzhaft, denn es gibt Entlassungen und Lohnkürzungen. Die wirtschaftliche Situation lässt den Verantwortlichen keine andere Wahl, sonst droht das Abstellgleis.

Triste Stimmung im Neustrelitzer Bahnwerk.  Um nicht aufs Abstellgleis zu geraten, wird umstrukturiert.
Anett Seidel Triste Stimmung im Neustrelitzer Bahnwerk.  Um nicht aufs Abstellgleis zu geraten, wird umstrukturiert.

Einer der größten Arbeitgeber in Neustrelitz und der Region zieht jetzt die Notbremse, bevor es zu spät ist. Beim Netinera-Bahnwerk stehen Umstrukturierungen an. Die Gerüchte um Entlassungen und Lohnkürzungen machen in der Stadt bereits die Runde. Werksleiter Dr. Stefan Liebelt hat dies jetzt auf Nachfrage des Nordkuriers bestätigt. „Es gibt Anpassungen im Einklang mit der Gewerkschaft“, beschreibt er die Situation für die mehr als 130 Mitarbeiter.

Liebelt spricht von deutschlandweiten Überkapazitäten als Grund für die derzeitige Misere. Im Klartext heißt das: Es gibt für die Schwermaschineninstandsetzung, die in Neustrelitz angeboten wird, derzeit nicht genügend Aufträge. Statt zu reparieren, werde neu gekauft. Selbst die Bahn stelle derzeit zwei ihrer Werke in Frage, heißt es in Neustrelitz. 

Angespannte Situation im Werk

Um das Werk, eines der letzten Industriebetriebe der Stadt, am Leben zu halten, sei ein Bereinigungseffekt nötig, so der Werksleiter. „Massenentlassungen wird es aber nicht geben“, hebt er hervor. Mitarbeitern seien unter anderem Aufhebungsverträge angeboten worden. Auch eine temporäre Arbeitszeitverkürzung und damit Lohnverzicht seien im Gespräch.

Greifen diese Maßnahmen, hofft Stefan Liebelt, den Neustrelitzer Betrieb wieder aufs richtige Gleis bringen zu können. „Das Werk selbst wird vom Konzern auch nicht in Frage gestellt“, so der Leiter. Es sei sogar strategisch wichtig. Die Netinera Deutschland GmbH ist ein privates Verkehrsunternehmen. Zum Konzern gehören Eisenbahn- und Busverkehrsunternehmen, Werkstätten, Hafengesellschaften und eine Spedition. Das Unternehmen in Deutschland gehört zu einem Konsortium unter Führung der italienischen Staatsbahn.

Andreas Schmidt von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bestätigt die angespannte Situation im Neustrelitzer Werk. „Wir sind nicht begeistert“, sagt er. „Wir haben uns die Zahlen vorlegen lassen.“ Die sprechen eine deutliche Sprache, so der Mann von der Gewerkschaft. „Die Leistungen gehen zurück“, beschreibt Andreas Schmidt. Der Betrieb müsse handeln, um leistungsfähig zu bleiben. Gemeinsam mit dem Betriebsrat sei deshalb nach möglichst sozial verträglichen Lösungen gesucht worden. „Wir haben nach Maßnahmen gesucht, die am Ende nicht 30 Leute den Job kosten, sondern 15“, verdeutlicht Andreas Schmidt. Auch diese 15 sollen nach Möglichkeit nicht auf der Straße landen, sondern es werde nach Alternativen in anderen Betrieben des Unternehmens gesucht.

Hoffnung, dass es in einem Jahr besser wird

Für das Bahnwerk ist es nicht die erste kritische Situation. Andreas Schmidt war dabei, als das Werk von der Bahn 2001/2002 komplett geschlossen werden sollte. Mehrere Besitzer folgten daraufhin. Arbeitsplätze gingen verloren. „Aber es entstanden auch wieder neue“, führt er einen positiven Aspekt an. Die derzeitige wirtschaftliche Lage in ganz Deutschland verursache bei großen Werken von der Bahn einen Schnupfen. „Bei einer freien Werkstatt wie in Neustrelitz gibt es eine Lungenentzündung“, bringt er einen Vergleich, um die Brisanz darzustellen. Für die Mitarbeiter sei die derzeitige Situation bitter. Schmidt bestätigt, dass die Arbeitszeitverkürzung um zwei Stunden und die damit einhergehenden Lohnkürzungen zunächst für ein Jahr gelten. Danach, so hofft auch er, dass im Unternehmen die Weichen nach vorn gestellt sind.