Der Silberschatz vom Brückentinsee:

Das Geheimnis ging mit ins Grab

Der Silberschatz von der Insel im Brückentinsee hat für Jubel gesorgt. Jetzt hat sich eine Frau  gemeldet, deren Großmutter noch gewusst haben muss, wo der Schatz vergraben wurde. Das Geheimnis hat diese mit ins Grab genommen. Die Enkelin freut sich jetzt um so mehr.

Zusammengeklebt durch Öl und Erde – so wurde das Silber auf der Schatzinsel im Brückentinsee gefunden.
privat Zusammengeklebt durch Öl und Erde – so wurde das Silber auf der Schatzinsel im Brückentinsee gefunden.

 „Nun ist ‚er‘ endlich gefunden worden, der vergrabene Silberschatz“, schreibt Dita Strehlow. Die Frau aus Magdeburg freut sich nicht ohne Grund über den Fund auf der Insel im Brückentinsee. Die Frühjahrsstürme und der Regen hatten Ende April dafür gesorgt, dass die Insel im See zu einer Schatzinsel im wahrsten Wortsinne wurde. Der Sturm hatte Bäume samt Wurzelwerk umgelegt. Und er hatte einen Batzen Silber ans Tageslicht befördert. Barbara Karge vom Inselhotel war sofort klar, was die Erde da ausgespuckt hatte. Denn bereits 2008 wurde auf der Insel nach dem Silberschatz des letzten Eigentümers gesucht. Damals vergebens. Erst jetzt kamen Silberbesteck, Dosen, Leuchter, Suppenkelle und ein silberner Bär zum Vorschein.

Großmutter hatte das Silber geputzt

Dita Strehlow war bereits 2008 dabei. Sie schreibt: „Sehr oft hat meine Großmutter Marie Krüger, die schon beim Vorbesitzer der Insel seit 1916 gearbeitet hat, das wunderschöne Silber geputzt.“ Dita Strehlow selbst kam als Fünfjährige von Berlin auf die Insel zu ihren Großeltern. Damals, so informiert sie, war der Freiherr Baron Boris von Wolff gerade ein Jahr der neue Eigentümer und beim Neugestalten der Gebäude. Mit dem Erbe seines 1940 in Berlin verstorbenen Vaters hatte von Wolff die Insel gekauft. „Nun fanden die Raritäten des alten Herrn, der am Zarenhof Kaiserlich Russischer Hofmeister, Hofrat und Kammerherr und wirklich Geheimer Rat, livländischer Landrat und Reichsduma-Deputierter war, ein Plätzchen an den verschiedensten Stellen des Herrenhauses“, beschreibt es Dita Strehlow. Im Herbst 1944, als die russische Armee näher rückte, verließ der Freiherr die Insel und teilte dies auch Dita Strehlows Großmutter mit.

„Er hatte noch mit meiner Großmutter unter vier Augen das Silber vergraben“, weiß Dita Strehlow. Der Sohn Gert von Wolff war zu dieser Zeit Soldat. „Aber der Vater hat seinem Sohn den Standort mitgeteilt“, weiß die Magdeburgerin.

Vor ein paar Jahren schon mal gesucht

1945 endet das Arbeitsverhältnis der Großmutter und so zog auch Dita Strehlow von der Insel nach Dabelow. Die russische Armee erreichte am 30. April die Insel. „Die Insel war geplündert und zweckentfremdet zum Einschussgebiet der russischen Armee auserkoren“, so Dita Strehlow. Was aus dem Silberschatz geworden ist, wusste zu dem Zeitpunkt wohl niemand. Auch Dita Strehlow nicht. „Meine Großmutter hat das Geheimnis des Silbers mit ins Grab genommen.“ Umso schöner sei es jetzt für sie als Enkelin davon zu hören, dass der Silberschatz aufgetaucht sei. Es habe viele Vermutungen über den Verbleib des Silbers gegeben. Als 2008 das letzten Mal nach dem Schatz des Baron von Wolff gesucht wurde, war sogar sein Sohn, der von dem Standort wusste, dabei. Damals hatte man nur zwei Meter neben der Stelle gegraben, wo der Schatz jetzt ans Tageslicht kam. Der Sohn Gert von Wolff ist inzwischen verstorben.

Dita Strehlow freut es dennoch, dass der Schatz ans Tageslicht gekommen ist: „Jetzt kann ich vielleicht die Stücke wiedersehen, die ich schon als Kind auf dem festlich gedeckten Tisch gesehen habe.“