Gebäude-Reparatur:

Das Klohaus vom Wasserwanderrastplatz ist ein Pfusch-Bau

Erst wurde das falsche Material verwendet, dann vergaß jemand, die Heizung anzustellen - auf Mirows Wasserwanderrastplatz wurde doll geschlampert. Jetzt sind die Wände nass und marode. Betrieben wird aber nur Flickschusterei.

Auf der linken Seite dieses Hauses befinden sich Toiletten und Duschen für Wasserwanderer.
Susanne Böhm Auf der linken Seite dieses Hauses befinden sich Toiletten und Duschen für Wasserwanderer.

Fliesenleger Torsten Köster hatte schon sinnvollere Aufträge. Der Inhaber des Bauunternehmens Fliesen-Köster bessert zur Zeit im Auftrag der Stadt Wände und Fußböden im Sanitärgebäude am Mirower Wasserwanderrastplatz aus - wohl wissend, dass die Kacheln schon bald wieder von den Wänden fallen. Er betreibt lediglich Flickschusterei. Das Haus, in dem sich Duschen und Toiletten befinden, ist eigentlich gar nicht als Sanitärgebäude geeignet. Es hält der Feuchtigkeit im Sommer und der Kälte im Winter nicht stand.

"Das wurde vor rund 25 Jahren aus Yton-Steinen gemauert, aus Porenbeton. Das Material ist sehr saugfähig", erklärt der Wesenberger Fliesenleger. "Im Sommer saugen sich die Wände voll, werden klatschnass. Im Winter dehnen sie sich aus, schieben sich hin und her, die Fliesen frieren ab." Im ganzen Haus reißen, platzen und bröckeln die Fliesen. Tiefe, lange Risse durchziehen die Wände. Löcher klaffen. Scharfe Kanten stehen zentimeterweit vor. Hölzerne Türrahmen faulen. Eine Wand ist regelrecht gespalten, der Riss auf beiden Seiten sichtbar. Alles wirkt marode und verwahrlost. "Die Fliesen fallen schon von allein von den Wänden. Wenn man die untere Reihe abnimmt, rutschen die oberen von selbst nach. Das Haus ist nicht einsturzgefährdet, aber es besteht dringend Sanierungsbedarf", sagt Torsten Köster.

Der Handwerker darf nur kaschieren

Doch anstatt das Problem bei der Wurzel zu packen, die Innenwände abzureißen und neu zu mauern, flickt und kaschiert der Handwerker nur. "Ich behebe hier die schlimmsten Schäden, damit sich niemand verletzt." Mehr will die Stadt nicht bezahlen. Knapp 2500 Euro sind laut Peter Altenburg aus dem Bauamt der Mecklenburgischen Kleinseenplatte für die Reparaturen vorgesehen.

Wäre es nicht vernünftiger, einmalig mehr Geld in die Hand zu nehmen, das Haus zu von Grund auf zu sanieren, anstatt Jahr für Jahr Kleckerbeträge zu verbauen? Das ist nicht von der Hand zu weisen, momentan aber ist keine größere Investition möglich, so Mirows Bürgermeister Karlo Schmettau (FDP). "Was sollen wir machen? Das war von Anfang an Baupfusch. So würde heute keiner mehr arbeiten. Aber wir können doch jetzt nicht einfach abreißen und neu bauen. Das muss noch drei bis vier Jahre halten. Bis dahin müssen wir so viel Geld zusammenkratzen, dass wir das ordentlich machen können. Der Steg muss auch repariert werden. Wenn wir jetzt mehr Geld in das Haus stecken, bleibt für den Steg nichts mehr übrig." Der Wasserwanderrastplatz solle weitgehend ohne Steuergelder bewirtschaftet werden, seine Kosten selbst decken. "Bisher konnten wir von den Einnahmen immer die Wartungen finanzieren." Wer an dem Rastplatz anlegt, muss Liegegebühren zahlen. Die Toilettenbenutzung kostet 50 Cent. 12 800 Euro hat der Wasserwanderrastplatz im vergangenen Jahr eingebracht, sagt Peter Altenburg. Rund 700 Boote legten an. Die Tendenz sei gleichbleibend.

Im nächsten Winter wird alles anders

Der Wasserwanderrastplatz ist wichtig für Mirow, sagt der Bürgermeister. "Dort sind zwar nur rund zehn Liegeplätze, aber wenn jedes Boot acht Mann an Bord hat, die alle in der Stadt essen gehen, macht sich das bemerkbar."

Bis das Gebäude saniert werden kann, wolle sich die Stadt mit einem simplen Mittel behelfen. "Im nächsten Winter stellen wir die Heizung auf frostfrei, dann friert auch nichts kaputt", so Karlo Schmettau. "Ich ärgere mich sehr, dass das in diesem Winter vergessen wurde."

 

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