Panne bei Ermittlungen:

Der Lack ist ab - und die Polizei findet den Täter nicht

Eine Frau zeigt bei der Polizei einen Schaden an ihrem Wagen an und liefert auch den Tipp, wie der Verursacher gefunden werden könnte. Doch den Beamten unterläuft ein Fehler und mögliche Beweise gehen verloren.

Wie kam die Schramme ins Autoblech? Die Videoaufnahmen, die hätte helfen können, wurde nicht ausgewertet.
Patrick Pleul Wie kam die Schramme ins Autoblech? Die Videoaufnahmen, die hätte helfen können, wurde nicht ausgewertet.

Die Polizei, dein Freund und Helfer, heißt es so schön. Die Neustrelitzerin Gerlinde M. hat dagegen andere Erfahrungen mit den Beamten gemacht. Sie fühlt sich mit ihrem Fall allein gelassen, der mit einer bösen Überraschung nach der Rückkehr von einem Kurzurlaub an der Ostsee anfing: Beim Entladen ihres Wagens entdeckte Gerlinde M. an der rechten Seite der Stoßstange eine Schramme. „Das hat uns natürlich mächtig geärgert“, erinnert sie sich. 

Der Kratzer könne ihrem Fahrzeug eigentlich nur auf dem Parkplatz am Ferienort verpasst worden sein, ist sich Gerlinde M. sicher. Denn während des Urlaubs sei der Pkw nicht bewegt worden.

Nur vertröstet und sonst nichts

Die Beschädigung an ihrem Wagen zeigte Gerlinde M. im Neustrelitzer Polizeihauptrevier an, wo der Schaden auf 300 Euro geschätzt wurde. Den Beamten gab sie gleich noch einen wichtigen Tipp, wie der Verursacher der Schramme womöglich ausfindig gemacht werden könnte. Der Parkplatz war nämlich mit einer Videoüberwachungsanlage ausgestattet. „Darauf habe ich die Polizei hingewiesen“, erzählt sie. Sie informierte die Beamten auch darüber, dass die Aufnahmen sieben Tage lang gespeichert werden.

Sieben Monate nach der Anzeige ist weder der Verursacher ermittelt, noch der Schaden reguliert und Gerlinde M. ziemlich sauer über die Polizei. Mehrfach habe sie sich bei den zuständigen Dienststellen in Neustrelitz und Ahlbeck nach den Ermittlungsergebnissen erkundigt. „Ich wurde immer nur vertröstet“, erzählt Gerlinde M. Einmal sei ihr mitgeteilt worden, dass eine Auswertung der Videobänder mit hohen Kosten verbunden gewesen wäre und nur von einem Fachmann hätte vorgenommen werden können. Ein anderer Beamter habe ihr mitgeteilt, dass die Sicherstellung und Auswertung der Bänder ohne weiteres machbar gewesen wäre, er den Vorfall aber zu spät auf den Tisch bekommen habe. „Keine Dienststelle wusste richtig Bescheid“, ärgert sich Gerlinde M.

Auf dem Hotelparkplatz ermittelt

Ermittelt haben die Beamten – jedenfalls ansatzweise. Der Schaden am Fahrzeug sei fotografisch dokumentiert worden, teilt das Polizeipräsidium in Neubrandenburg gegenüber dem Nordkurier mit. Auch der Hotelparkplatz sei als möglicher Unfallort in Augenschein genommen worden, um mögliche Spuren zu sichern. Weiterhin seien die Hotelleitung und die zuständige Firma für die Sicherung der Videoaufzeichnung kontaktiert worden.

Unaufgeklärt blieb der Fall offenbar, weil wichtige Informationen zwischen den Dienststellen nicht weitergeben wurden. Dieses Ergebnis hat Gerlinde M. durch hartnäckiges Nachfragen schriftlich erhalten: Das Unfallprotokoll sei ohne den Hinweis über die Videoaufnahmen an das Polizeirevier in Wolgast weitergeleitet worden, heißt es in einem Schreiben des Polizeipräsidiums. „Geboten gewesen wäre die direkte Weiterleitung der Unfallanzeige an die Dienststelle in Heringsdorf unter ausdrücklichem Hinweis auf die Notwendigkeit der Sicherung einer Videoaufnahme“, teilt man ihr dazu weiter mit. Auch gegenüber dem Nordkurier erklärt eine Polizeisprecherin, dass versäumt wurde, die Hinweise über die Videoaufzeichnungen weiterzugeben.  „Das kann doch eigentlich nicht sein“, findet die Neustrelitzerin. Abgeschlossen ist der Fall mit der Autoschramme noch nicht. Derzeit prüft die Polizei noch, ob Gerlinde M. Anspruch auf Schadenersatz hat. „300 Euro sind viel Geld für mich“, sagt sie. Und außerdem möchte sie ohne Kratzer an der Stoßstange in den nächsten Urlaub fahren.

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