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Der Spezial-Sauger wartet schon auf die gefährlichen Raupen

Bald wird sich zeigen, ob und wie stark der Eichenprozessionsspinner hier zu Lande wieder zum Leben erwacht. In der Kleinseenplatte wurden die gefährlichen Raupen des eingewanderten Falters erstmals im vorigen Sommer bekämpft.

Im Vorjahr mussten die Nester des Eichenprozessionsspinners an einer Eichenallee bei Roggentin abgesaugt werden.
Tobias Lemke Im Vorjahr mussten die Nester des Eichenprozessionsspinners an einer Eichenallee bei Roggentin abgesaugt werden.

Taucht er wieder auf, dann kommt der Spezial-Sauger zum Einsatz. So viel steht fest. Mit Argusaugen achten die Mitarbeiter aus dem Ordnungsamt in der Mecklenburgischen Kleinseenplatte in diesem Jahr auf eine weitere Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners. „Im Moment ist nichts zu erkennen, es ist noch zu früh“, sagt Hans-Georg Rausch vom Ordnungsamt. Die Raupen des Schädlings schlüpfen aber bald und Rausch geht davon aus, dass die lästigen Plagegeister wohl auch die Kleinseenplatte wieder heimsuchen werden. „Ja, wir rechnen wieder mit einem Befall“, sagt er klipp und klar.  

Der Eichenprozessionsspinner hatte im vorigen Sommer erstmals die Region um Mirow in Atem gehalten. Das unscheinbare Tierchen tauchte verstärkt zum Beispiel an einer Eichenallee bei Roggentin sowie bei Neu Drosedow auf. Zudem gab es in der Kleinseenplatte kleinere Vorkommen an einigen anderen Stellen und weitere größere Fälle dann im Nachbaramt Röbel.

Die Gifthaare bleiben lange wirksam

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners bilden gefährliche Brennhaare heraus. Diese Gifthaare können vom Wind verweht werden, nisten sich im Unterholz ein und bleiben bis zu einem Jahr bedrohlich. Sie können Hautreaktionen wie Quaddeln und rote Flecken auslösen, beim Einatmen Asthma-Symptome hervorrufen und im schlimmsten Fall sogar zu allergischen Schockreaktionen führen. Daher wurden die Nester und Raupen im Vorjahr mittels eines Spezial-Absaugers auch aufwendig entfernt. Im Land Brandenburg werden die Tiere schon seit Jahren intensiv bekämpft. 

„Wir werden in diesem Sommer die Eichenbestände kontrollieren“, erklärt Rausch. Vor allen die im Vorjahr stärker befallenen Stellen stehen dabei im Fokus. Ziel sei es, die Raupen möglichst schon in einem sehr jungen Stadium zu entdecken, um frühzeitig reagieren zu können. Erst ab dem dritten Larvenstadium bilden die Tiere die gefürchteten Brennhaare heraus. Rausch rechnet damit, dass die Raupen und Gespinste des Eichenprozessionsspinners ab Mitte oder Ende Mai zu erkennen sind. Er hofft, dass nach der Bekämpfung im Vorjahr zumindest ein Rückgang des Schädlingsbefalls auszumachen ist. 

Bei der Suche bleibt den Mitarbeitern vom Ordnungsamt nicht viel mehr übrig, als jeden einzelnen Baum mit einem Fernglas zu überprüfen. „Das ist natürlich sehr zeitaufwendig“, sagt Rausch weiter.

Bäume im Privatforst werden nicht kontrolliert

Klar ist dabei auch, dass nicht jede Eiche gründlich kontrolliert werden kann. Bäume, die sich auf Privatgelände befinden oder im tiefsten Wald stehen und Sache der Forst sind, bleiben dabei außen vor. Einige Hinweise auf den Eichenprozessionsspinner hatte es vergangenes Jahr so auch aus der Bevölkerung gegeben. Ein Großteil hatte sich zwar als harmloser Befall durch andere Schädlinge herausgestellt, aber dennoch werden solche Hinweise dankend vom Amt aufgenommen und anschließend überprüft.

Je nachdem, wo und wie stark das lästige Insekt auftaucht und eine Gefährdung für Menschen darstellt, werde über Gegenmaßnahmen entschieden, so Rausch. Denn die Absaug-Aktionen sind teuer. Pro Tag werden immerhin 1450 Euro fällig, und meistens dauern die Arbeiten eines speziell ausgebildeten Baumpflegers mehrere Tage lang.

Vom Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hieß es kürzlich zwar, dass an einem Plan zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners gearbeitet wird, aber davon sei vor Ort noch nicht viel angekommen, kritisiert Hans-Georg Rausch. Gerade in der Frage der Finanzierung der Bekämpfungsmaßnahmen gebe es bisher keine Reaktion. Auf den Kosten blieben das Amt und die Gemeinden sitzen.