Feldberger sind stolz auf ihre Gipfel:

„Die Berge rufen“ - zu Debatten auf

Gipfeln und Hügeln rund um Feldberg ist eine Ausstellung gewidmet. Manche der historischen Ansichten sind heute nicht wiederzuerkennen. Einige Berge wurden abgetragen, andere sind zugewachsen.

Eröffnung der Ausstellung „Die Berge rufen“ in Feldberg. Junge und alte Besucher fragen sich: Von welchem Berg aus wurde dieses Foto damals geschossen?
Klaus-Jürgen Fischer Eröffnung der Ausstellung „Die Berge rufen“ in Feldberg. Junge und alte Besucher fragen sich: Von welchem Berg aus wurde dieses Foto damals geschossen?

Selten geht es in einer Ausstellung so lebhaft zu. Allerdings wundert es nicht, denn hier sind lauter Insider versammelt. Feld-Berger eben – und damit Bergspezialisten. Die Diskussionen beginnen gleich am Eingang der Ausstellung „Die Berge rufen“, die jetzt in Feldberg eröffnet wurde. Heimatforscher Frank Schütze hat nicht nur alte Feldberger Ansichten aus seiner Postkartenschatztruhe zur Verfügung gestellt, sondern auch eine Aufstellung der Berge, die Feldberg umgrenzen. Auf 27 ist er gekommen und hat diese auf einer Landkarte vom Anfang des vergangenen Jahrhunderts eingetragen.

„Aber da fehlt doch noch...“, oder „Der Berg heißt doch ...“. Man einigt sich, dass es wohl doch 30 Berge sein könnten, in deren Tal Feldberg eingebettet ist. Und die Namen – die wechseln. Manchmal sind sie ausgesprochenes Lokalkolorit. Bestes Beispiel: der Hauptmannsberg bei Carwitz. Ganz früher hieß er Warthberg. Ein Berg mit schöner Aussicht. Der Wortstamm findet sich auch in der Wartburg bei Eisenach. Als die Schweden durchs Land zogen und Feldherr Tilly dort rastete, nannte man ihn Tillgenberg. Bei manchen hieß er nur der Kieker. Seit Ende des 19. Jahrhunderts trägt er den Namen Hauptmannsberg, weil sich hier Hauptmänner nach einem Manöver beraten hatten.

Auf einer der Ansichten steht eine romantische Villa auf einem kahlen Hügel über dem Haussee, dem Ziegenberg. Es ist das Haus des jüdischen Musikprofessors Kahn.  Kahn floh vor dem Naziregime, seine Villa wurde nach dem Krieg die Jugendherberge. Zumindest zu DDR-weiter Bekanntheit hat es die Aussicht vom Hüttenberg gebracht. Dieser Blick schaffte es 1966 auf eine Briefmarkenserie zum Landschaftsschutz.

Viele der Postkarten wurden kontrovers debattiert, weil die Aussichten von den Bergspitzen nicht im entferntesten übereinstimmen mit den heutigen Aussichten. Die Landschaft damals war viel mehr landwirtschaftlich genutzt, und somit konnte man weiter ins Land schauen als heute. „Natürlich freuen wir uns über die Wälder, die heute unsere Seenlandschaft prägen“, meint Frank Schütze. „Aber die eine oder andere Aussicht sollte man doch freischneiden oder gar nicht erst zuwachsen lassen. Es nützt doch nichts, wenn wir den Touristen erklären, vom Schlossberg hätten sie einen einmaligen Blick, wenn dort nicht die Bäume stünden.“

Uneinig war man sich, welcher Berg der höchste ist. Der Reiherberg? Die Rosenberge? Groß sind die Unterschiede nicht bei der Geröllmasse, die das Eis vor gut 14 000 Jahren rund um Feldberg ablagerte. Dem Stolz der Feldberger auf ihre Gipfel tut das allerdings keinen Abbruch.

Die Ausstellung „Die Berge rufen“ des Kunstvereins Feldberger Land ist im Haus des Gastes in der Strelitzer Straße 42 zu sehen. Geöffnet ist montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr, sonnabends von 10 bis 12.30 Uhr.

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