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Die Einzelhändler blicken mit Sorge auf die Bummelmeile

Leere Schaufenster, deprimierte Geschäftsinhaber – eine lebendige Innenstadt ist etwas anderes, sagt ein Neustrelitzer Unter­nehmer. Und hat doch die Hoffnung nicht aufgegeben.

Schön sanierte Häuser sind das eine, was aber wird aus der Strelitzer Straße, wenn immer mehr Geschäfte aufgegeben werden.
Marlies Steffen Schön sanierte Häuser sind das eine, was aber wird aus der Strelitzer Straße, wenn immer mehr Geschäfte aufgegeben werden.

Thomas Witt ist nicht der Mensch, für den das Glas nur halbvoll ist. Gerade aber fällt es dem Neustrelitzer Einzelhändler schwer, optimistisch in die Zukunft zu blicken.  Was soll aus der Innenstadt werden, fragt er sich mit Blick auf den zunehmenden Leerstand. Am alten Rossmann-Standort herrscht schon lange tote Hose, wann und ob das Kornhus wieder öffnet, steht nicht fest, demnächst schließt ein Mobilfunkgeschäft, auch das Café am Markt will dicht machen. Thomas Witt bietet selbst seit einem Jahr eine kleine Ladenfläche neben seinem Juweliergeschäft an. „Es interessiert sich keiner dafür“, sagt er. Viele Kunden würden nach wie vor lieber in die großen Einkaufszentren fahren. Und immer mehr Menschen kaufen auch zu Hause ein. „Mit dem Onlineshopping müssen wir aber leben“, sagt Witt, der selbst schon Erfahrungen mit dem Verkauf übers Internet hat. Nach Reglementierungen in dem Bereich ist es aber auch auf Online-Plattformen für die kleinen Händler schwierig geworden, Ware anzubieten. Dessen ungeachtet baut er gerade einen Online-Shop auf.

Geschäfte sind wie das Salz in der Suppe

Wohin aber soll die Entwicklung führen? Witt ist skeptisch. Irgendwann sieht es in Neustrelitz vielleicht so aus wie jetzt schon in vielen kleineren Städten. Dabei seien die Geschäfte wie das Salz in der Suppe.  Der Neustrelitzer wünscht sich hier den Dialog mit anderen Einzelhändlern und auch mit der Stadt. Immerhin, der Unternehmerverband Mecklenburg-Strelitz versucht einen Brückenschlag.  Am 2. Februar kommt ein Mann, der sogar zum Filmhelden wurde, in die Stadt. Der Geraer Ralf Schmidt. Er betreibt in seiner Heimatstadt ein Foto-Geschäft.  Für Schmidt ist Gera eine Art Königin des Leerstands, hier seien viele Schaufenster schon lange vernagelt. Zusammen mit dem Filmemacher Marcel Daley hat Schmidt den Kurzfilm „Geld im Niemandsland“ auf Youtube eingestellt, in dem es um den Konflikt zwischen Onlinehandel und Einkauf im Geschäft geht. Der Film ist fast 10 000 Mal geklickt worden. In Neustrelitz wird er am 2. Februar ebenfalls zu sehen sein. Schmidt und Daley werden vor Ort sein. Sie sind auf die Erfahrungen aus einer Stadt gespannt, die gut ein Viertel der Einwohner von Gera zählt. Patentrezepte werden sie nicht haben. „Aber wir werden miteinander reden“, sagt Thomas Witt. Er wünscht sich wieder mehr Leben in der Innenstadt. „Die Leute müssen wissen, dass es sich lohnt nach Neustrelitz zu fahren“, sagt er. Um „Geld fürs Niemandsland“ und die Zukunft der  Innenstadt geht es am 2. Februar um 18.30 Uhr im Landeszentrum für erneuerbare Energien (Leea).