Geschäftsfrau ist fassungslos:

Die lange Leitung der Telekom

Noch immer gibt es in der Region Orte, in denen das Internet nur im Schneckentempo funktioniert. Eine Unternehmerin aus der Feldberger Seenlandschaft glaubt nicht mehr an eine Besserung und fürchtet sogar neues Ungemach.

Kerstin Brachaus-Mechow (rechts) und Mitarbeiterin Gundula Buhrtz komplettieren einen Schallwandler.
Jörg Spreemann Kerstin Brachaus-Mechow (rechts) und Mitarbeiterin Gundula Buhrtz komplettieren einen Schallwandler.

Am Eingang zur Feldberger Seenlandschaft liegt für Kerstin Brachaus-Mechow das "Land der heilsamen Klänge". Die Unternehmerin führt in der dicht bewaldeten Region an der Landesgrenze zu Brandenburg eine kleine Firma, die Schallwandler herstellt. Das sind spezielle Lautsprechersysteme, die Musik und Töne in Räumen nicht frontal abstrahlen, sondern wie in der Natur schonend in alle Richtungen verteilen.

Weil die Nachfrage nach den Anlagen stetig wächst, hat Kerstin Brachaus-Mechow ihre Produktionsstätte in Wokuhl-Dabelow erweitert. Teil der Investition war ein Hausanschluss für Telefon und Internet für 400 Euro. "Den habe ich auf Anraten der Telekom legen lassen", berichtet sie. Doch als sie den Vertrag mit dem Unternehmen abschließen wollte, erlebte sie eine böse Überraschung. "Plötzlich hieß es, dass es für meine Straße keine freien Kapazitäten mehr gibt", schildert sie die Auskunft.  Eine schnelle Lösung sei nicht in Sicht, habe sie außerdem von einem Berater mit auf den Weg bekommen

Fotos hochladen funktioniert oft nur in den Nachtstunden

So muss sie weiter mit dem Schnecken-Internet im Wohnhaus leben. Denn auch die schnelle Mobilfunk-Lösung LTE steht im Ort nicht zur Verfügung. Oft nutzt sie derzeit die Nachtstunden, wenn weniger andere Nutzer aktiv sind,um Daten ins Internet zu schaufeln. Es dauere manchmal stundenlang, um Fotos und Dokumente hochzuladen. "Dabei verlangen inzwischen die Behörden längst, dass Geschäftsunterlagen digital eingereicht werden", erläutert sie. Außerdem müsse die eigene Internet-Präsenz gepflegt werden, auf der die eigenen Produkte vorgestellt und verkauft werden. "Irgendwann werden wir noch mal mit der Trommel googeln", meint sie sarkastisch.

Die Unternehmerin stellt sich auf weiteres Ungemach ein: Sie hegt die Befürchtung, dass sie künftig nicht mal mehr ohne Störungen telefonieren können wird.  Angesichts der Ankündigungen der Deutschen Telekom, künftig das gesamte Netz auf den sogenannten IP-Standard umstellen muss, läuten bei ihr die Alarmglocken. IP steht für Internet-Protokoll: In den kommenden vier Jahren will der Konzern alle Anschlüsse "umstöpseln". Telefoniert wird dann direkt per Internet. "Bei unseren grottenschlechten Leitungen wird man dann seine Gesprächspartner nicht mehr verstehen können", ahnt sie.

Erste Erfahrungen mit IP habe sie schon in der Familie gemacht. "Es hat beim Telefonieren ständig gerauscht und geknarrt. Das Faxgerät hat die Sendung abgebrochen. Und die Hotlines waren ständig überlastet", weiß Kerstin Brachaus-Mechow. Inzwischen habe die Telekom den Anschluss auf das alte Festnetz zurückgestellt.

Telekom ist nicht verpflichtet, überall schnelles Internet anzubieten

Nach offizieller Lesart der Bundesregierung ist in Wokuhl-Daberkow die Grundversorgung mit schnellem Internet gegeben: Der Breitband-Atlas weist für den Ort eine Datenrate von 2 MB/Sekunde aus.  Beim Unternehmen Brauchaus-Mechow kommt davon nur die Hälfte an. "Das ist unterstes Niveau", wertet Mohammed Al Mashni vom Schweriner Breitbandkompetenzzentrum. 6 MB/Sekunde seien schon nötig, um komfortabel arbeiten zu können. Er vermutet, dass die Leitungen nach und in Wokuhl-Daberkow für größere Datenmengen nicht ausreichen und erneuert werden müssten. Allerdings: "Die Telekom ist entgegen anderer Meinungen nicht verpflichtet, überall schnelles Internet anzubieten."

Al Masni verbreitet jedoch Hoffnung, was die umstrittene IP-Telefonie angeht. "Wenn die Telekom eine vernünftige Qualität anbieten will, werden automatisch bessere Leitungen gebraucht", meint er. Schließlich müsse der Konzern ohnehin alte Technik ersetzen und spare durch das IP-Netz ordentlich an Betriebskosten. Für Wokuhl-Daberkow bestehe noch die Möglichkeit, schnelles Internet über Satellit zu beziehen. "Es gibt inzwischen mehrere Anbieter mit Preisen, die konkurrenzfähig sind", erklärt der Experte.

Kerstin Brachaus-Mechow verliert nach dem langen Hin und her um schnellere Datenleitungen langsam die Geduld. "Wir werden wohl eine Bürgerinitiative gründen müssen, um hier voran zu kommen", stellt sie klar.