Keine freie Fahrt:

Diese Ampel gibt Autofahrern Rätsel auf

Ein Neustrelitzer sieht immer Rot – zumindest an der Ampel, wenn er aus Richtung Penzlin nach Neustrelitz fährt. Jedes Mal, wenn er an die Ampelkreuzung kommt, muss er seinen Pkw stoppen, auch wenn kein anderer Verkehrsteilnehmer zu sehen ist. Warum ist das so?

Ist hier an den Kreuzungen der Umgehungsstraße wirklich immer Rot?
Anett Seidel Ist hier an den Kreuzungen der Umgehungsstraße wirklich immer Rot?

Immer ist Rot, sagt Kurt Böhmer aus Neustrelitz. Wenn er morgens seine Frau hin und her gefahren hat und aus Richtung Penzlin in die Stadt kommt, sieht der Autofahrer an der Ampel Rot. Das ist an der Lichtsignalanlage am Krankenhaus so und auch eine Abfahrt weiter sieht es nicht anders aus. Kurt Böhmer weiß selbst, dass das womöglich Autofahrer-Kollegen kaum auffällt, aber wenn man, so wie er, ständig auf der Strecke unterwegs ist, fragt man sich schon, was es mit dieser Ampelschaltung auf sich hat.

Auf die kurze Wartezeit an der roten Ampel hat sich der Neustrelitzer inzwischen eingestellt. Doch Kurt Böhmer hat auch bemerkt, dass er manchmal sogar zwei Rotphasen abwarten muss, wenn er dann doch einmal in die Stadt abbiegen möchte. „Wenn vor mir ein Lkw abbiegt, ist die Grün-Phase so kurz, dass es für den, der dahinter fährt, nicht zu schaffen ist“, beschreibt der Neustrelitzer am Direkten Draht. Am Krankenhaus sei es zudem so, dass die Abbieger Grün bekommen, während die Autofahrer auf der Umgehung wohl noch Gelb haben. „Da ist Tempo 70 Kilometer die Stunde erlaubt“, so Kurt Böhmer. Die Umschaltphase sei seiner Meinung nach in diesem Fall schlichtweg zu knapp.

Schaltung mit Kalkül?

Auch der Nordkurier hat sich auf die Strecke begeben und die Ampelschaltung getestet. Tatsächlich setzt die rote Ampel, wenn man aus Penzlin kommt, der freien Fahrt ein Ende. Vor der Ampel sollte die Geschwindigkeit von erlaubten 100 Kilometern die Stunde ohnehin auf 70 km/h reduziert sein. Ein entsprechendes Schild weist darauf hin. Der Stopp an der roten Ampel indes ist kurz – es dauert nur wenige Sekunden, bis die Ampel auf Grün umschaltet. Glück ist, wenn ein anderes Fahrzeug vorne weg fährt, dann kann sich der Grünphase angeschlossen werden. Das Abbiegen konnte ohne Probleme erfolgen – ein Lkw war zu dieser Zeit nicht auf dem selben Weg unterwegs.

Ampelschaltung mit Kalkül oder ist die gefühlte „Rote Welle“ nur Zufall? Keine Willkür, heißt es dazu aus dem Neustrelitzer Straßenbauamt. Verkehrsingenieure haben das Signalprogramm entwickelt. Das wird anschließend mit den Verkehrsbehörden und der Polizei abgestimmt. Dabei seien mehrere Richtlinien zu beachten. Deshalb ist das Rot in diesem Fall gewollt.

„Die Ampel schaltet sehr schnell“, heißt es weiter. „Die Dauer hängt davon ab, wie lang die konfliktträchtigen Verkehrsströme sind.“ Nichts werde dabei dem Zufall überlassen. Sowohl aus der Stadt heraus als auf der Umgehungsstraße sei damit der Verkehrsfluss garantiert. Nach Abstimmung mit Polizei und Behörden werden verkehrsrechtliche Anordnungen getroffen. Das sei auch im Fall der Neustrelitzer Umgehung nicht anders.

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