Telefon-Abzocke:

Diese Fischerin geht Tricksern nicht ins Netz

Am besten auflegen! Wer einen Anruf von der Strafvollzugsbehörde bekommt und zum Drücken einer Telefontaste aufgefordert wird, sollte nichts anderes tun. Die Masche haben Betrüger jetzt bei der Rödlinerin Sabine Reimer versucht. Zum Glück vergebens.

Zur Mittagszeit am Küchentisch ging der ominöse Anruf bei Sabine Reimer ein. Die Ansage verunsicherte sie zunächst.
T. Lemke Zur Mittagszeit am Küchentisch ging der ominöse Anruf bei Sabine Reimer ein. Die Ansage verunsicherte sie zunächst.

„Dreister geht‘s nicht!“, findet Sabine Reimer. Die Fischerin aus Rödlin hat  um die Mittagszeit einen zweifelhaften Telefonanruf erhalten. Am anderen Ende der Strippe war kein wirklicher Gesprächspartner, sondern lediglich eine Bandansage. Die Stimme wollte Sabine Reimer weismachen, dass ein Vollstreckungsbescheid drohe. „Hier spricht die Strafvollzugsbehörde. Gegen sie liegt ein Vollstreckungsbefehl vor. Wenn sie die Angelegenheit außergerichtlich klären wollen, drücken sie bitte die Eins“, gibt die Rödlinerin die ungefähre Bandansage aus dem Gedächtnis wieder.

Der Schreck fährt einem in so einer Situation durch Mark und Bein. „Du grübelst erst mal. Hast du irgendeine Rechnung vergessen zu bezahlen?“, beschreibt Reimer ihre ersten Gedanken. Im Affekt werde dann wohl so mancher die angeforderte Taste drücken. Die Rödlinerin tat es nicht, sondern legte auf. Ob zum Beispiel ihr Vater Gleiches getan hätte? Sabine Reimer hat da ihre Zweifel.

Anwalt beruhigt seine Klientin

Der Vorfall hat der Fischerin keine Ruhe gelassen. Sie kontaktierte sicherheitshalber ihren Anwalt, der sie beruhigen konnte und ihr bestätigte, dass es sich um eine Betrugsmasche handeln müsse. Zudem ist Reimer über die versuchte Abzocke so sauer, dass sie sich gesagt hat: „Das muss in die Öffentlichkeit!“ Falls derzeit massenhaft solche Anrufe getätigt werden, müsse davor gewarnt werden.

Tatsächlich sind solche oder ähnlich gelagerte Telefontricksereien seit Jahren auf dem Vormarsch. Liefen bei der Verbraucherschutzzentrale Mecklenburg-Vorpommern vor 20 Jahren zwei bis drei solcher Fälle auf, so bekommen die Verbraucherschützer heute nahezu stündlich einen Hinweis. „Das läuft seit einigen Jahren im ganz großen Stil und hängt mit dem Ausufern der sogenannten Sonderdienste zusammen“, erklärt Matthias Wins, Jurist bei der Verbraucherschutzzentrale MV. Die 0900er-Nummern kenne noch jeder. Aber die Tricks der Abzocker können auch über andere Drähte laufen, etwa die Vermittlung ins Ausland. Schnell können so für wenige Minuten hohe Beträge zustande kommen.

Erst Taste drücken, dann hohe Rechnung

Hätte die Angerufene die geforderte Taste gedrückt, so hätte es gut sein können, dass ihr anschließend eine gepfefferte Telefonrechnung ins Haus geflattert wäre. „Solange man nur ans Telefon geht, hält sich das Risiko in Grenzen, sobald man eine Taste drückt, hat das Auswirkungen“, warnt Wins. Typisch sei übrigens auch die Masche, bei der das Opfer um Rückruf in einer angeblich dafür zuständigen Abteilung gebeten wird. 

Will der Geschädigte dann sein Geld zurückbekommen, ist das meist mühselig. Denn gegenüber den Telefonanbietern haben Kunden dafür unterschrieben, dass sie alle kostenpflichtigen Verbindungen auch bezahlen – selbst wenn die nur durchs Drücken einer einzelnen Taste zustande kommen. Einen Tipp hat der Verbraucherschützer noch: Jeder Kunde kann bei seinem Telefonanbieter die Sonderdienste sperren lassen.

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