Knapp jenseits der Geflügelpest-Grenze:

Diese Puten haben noch "Freigang"

Auch an der Woblitz bangen Geflügelbauern um ihren Bestand. Zumal sie weniger Spielräume haben als andere Berufskollegen: Das Bio­siegel ist mit glasklaren Auflagen verbunden.

So sehen glückliche Puten aus. Aber der Grat, auf dem Geflügelzüchter in diesen Pesttagen balancieren, ist schmal.
André Gross So sehen glückliche Puten aus. Aber der Grat, auf dem Geflügelzüchter in diesen Pesttagen balancieren, ist schmal.

Die Putenmäster der Öko-Agrargesellschaft Wesenberg befinden sich in diesen Tagen irgendwo zwischen jeder Menge Angst und Gottvertrauen. Während im vorpommerschen Heinrichswalde zehntausende Puten wegen der Geflügelpest getötet werden mussten, darf das Federvieh am Rand der Woblitzstadt noch ins Freie. Denn wie Norbert Stier, Vorstand der Agrargesellschaft, auf einer Karte zeigt, liegt Wesenberg knapp außerhalb des 50-Kilometer-Beobachtungskreises, in dem wegen der Seuchengefahr strengste Auflagen gelten.

„Alle üblichen Vorsichtsmaßnahmen wie Schutzkleidung oder Des­infektion bei Bestandswechsel halten wir natürlich ein“, betont Stier, beklagt jedoch, dass er und seine Kollegen so wenig über den Krankheitsausbruch in Heinrichswalde erfahren. „Wir wissen nicht mal, ob das Geflügel dort im Freiland war.“ In­sofern sei es auch reine Spekulation, ob die Pest von Zugvögeln übertragen wird. Dann wäre auch der 50-Kilometer Bannkreis „totaler Schwachsinn“.

Stiers Puten sind Bio­geflügel. Sie müssen ein Drittel ihres Lebens außerhalb des Stalls verbringen, und da stehen ihnen pro Tier zehn Quadratmeter zu. Bei 8000 Federviechern in zwei Altersklassen kommt da einiges zusammen.