In Grauenhagen steht bald kein Auto mehr im Gerätehaus:

Dorf-Feuerwehr wird dicht gemacht

Jetzt also doch. Schon einmal stand die Wehr in Grauenhagen bei Woldegk vor dem Aus. Nun ist die Löschabteilung wohl nicht mehr zu halten. Nur fünf aktive Mitstreiter, die im Dorf wohnen, sind einfach zu wenig.

Ende März muss Grauenhagens Löschabteilungsleiter Ralf Karberg das Kapitel Freiwillige Feuerwehr in seinem Dorf endgültig abschließen.
Tobias Lemke Ende März muss Grauenhagens Löschabteilungsleiter Ralf Karberg das Kapitel Freiwillige Feuerwehr in seinem Dorf endgültig abschließen.

Die Einsatzkleidung von einem guten Dutzend Kameraden hängt im Gerätehaus Grauenhagen. Eigentlich hat die kleine Feuerwehr auf dem Dorf genug Mitstreiter. Doch Löschabteilungsleiter Ralf Karberg geht die Namen durch, die über den Kleiderhaken angebracht sind. Und da fängt das Dilemma an: Einer gehe jetzt zur Bahn nach Essen, der nächste arbeite bei der Bundeswehr in Schwerin, bei zwei Männern stelle sich der Chef quer und wiederum andere wohnen jetzt in Woldegk, erklärt Karberg.

Übrig bleiben fünf aktive Feuerwehrmänner, die in dem Woldegker Ortsteil ihren Wohnsitz haben. Die reichen vorne und hinten nicht mehr aus, befanden die Woldegker Stadtvertreter auf ihrer jüngsten Sitzung in dieser Woche. Das Stadtparlament besiegelte mit knapper Mehrheit nun die Auflösung der Grauenhagener Löschabteilung. Schon vor einigen Jahren stand die Wehr vor dem Aus. Damals konnte die Schließung in letzter Minute aber noch mal abgewendet werden.

„Wenn es Mittwochmittag brennt, ist keiner da.“

Die finanzielle Seite spiele bei der neuerlichen Entscheidung eher eine zweitrangige Rolle, erklärte Woldegks Bürgermeister Ernst-Jürgen Lode (SPD). Der hauptsächliche Grund liege in der Einsatzbereitschaft, die unter der Woche nicht mehr gegeben sei. Auch Karberg, zugleich Ortsvorsteher und Stadtvertreter, muss einräumen: „Wenn es Mittwochmittag brennt, ist keiner da.“ Über die Probleme sei mit der Wehr gesprochen worden, so Lode. Die Kameraden hätten die Situation schließlich ähnlich beurteilt.

Trotzdem – nicht wenige von Woldegks Stadtvertretern haben ihre Bauchschmerzen bei der Schließung der Löschabteilung. „In der Feuerwehr zu sein, das ist kein bezahltes Hobby“, wies Hans-Joachim Conrad (CDU) darauf hin, dass die freiwilligen Helfer vor allem mit viel Herzblut dabei sind. Was einmal wegrationalisiert wurde, sei für immer fort. Automatisch würden einem Sprüche wie: „Stell dir vor es brennt und keiner kommt löschen“ in den Sinn kommen, so Conrad. Diese Befürchtung muss man Grauenhagen zwar nicht haben. Fakt sei aber auch, dass es nun länger dauern kann bis die Helfer anrücken.

Für die Kameraden ist endgültig Schluss

Es wird wohl auch so kommen, dass keiner der Grauenhagener Feuerwehrmänner in eine benachbarte Wehr eintreten wird. „Das macht einfach keinen Sinn“, erklärt Karberg. Wenn er bei einer Alarmierung erst zehn Minuten oder länger nach Woldegk fahren muss, seien die Kameraden dort schon längst abgerückt. Zudem spielt bei den meisten Mitstreitern auch der Lokalpatriotismus eine wichtige Rolle. Die Bereitschaft, sich im eigenen Dorf statt in der Nachbarstadt zu engagieren, ist nun mal höher ausgeprägt. Neben der Belastung durch die Einsätze wenden die Feuerwehrmitglieder jede Menge Zeit für Ausbildungen auf, die meist an Wochenenden stattfinden.

Das Grauenhagener Fahrzeug wird künftig bei der Feuerwehr in Hinrichshagen eingesetzt. Das größere Katastrophenschutz-Fahrzeug aus Hinrichshagen soll in zwei Jahren wiederum nach Rehberg wechseln. Ob die kleine Feuerwehr in Grauenhagen die einzige Löschabteilung bleibt, die in der Woldegker Ecke geschlossen wird, steht dabei noch in den Sternen. So gibt es Stimmen, die sich für eine Konzentration auf wenige, aber dafür gut ausgerüstete Oberstandorte aussprechen.

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