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„Er hätte so gern noch viele Bäume gepflanzt“

VonMarlies SteffenAlbert Kunst, der langjährige Leiter der Baumschule Dabelow, ist tot.Ein Krebs-leiden hat den 78-Jährigen am Sonntag aus dem Leben ...

Albert Kunst mit Hund „Odin“ inmitten von Buchensetzlingen auf einem Acker bei Rühlow, wo vor mehreren Jahren eine Aufforstungsfläche entwickelt wurde.  FOTO: Niels Seehase  /ARCHIV

VonMarlies Steffen

Albert Kunst, der langjährige Leiter der Baumschule Dabelow, ist tot.Ein Krebs-
leiden hat den 78-Jährigen am Sonntag aus dem Leben gerissen.

Dabelow.Er hatte sich ein anderes Ende gewünscht. In der Ackerfurche neben einem Baumsetzling wollte er seinen letzten Atemzug tun – dort, wo auch sein Leben war, inmitten der Natur. Doch es ist anders gekommen. Albert Kunst, der langjährige Leiter der Baumschule Dabelow, ein anerkannter Baumfachmann und ein Mann, dem die Natur alles bedeutete, ist am Sonntag im Krankenhaus in Neustrelitz verstorben. Eine heimtückische Erkrankung war erst Anfang April bei ihm diagnostiziert worden. Nur drei Wochen später hatte er den Kampf gegen den Krebs verloren.
Dabei konnte der Mann kämpfen, denn Albert Kunst hat es in seinem Leben nie einfach gehabt. Aus Ostpreußen vertrieben und zunächst bei Schwerin gestrandet, brauchte er Jahrzehnte, ehe er sich verwurzeln durfte. Zwar hat die Natur schon von Kindheit an sein Leben bestimmt, aber nach der Ausbildung zum Forstarbeiter und Forstingenieur gerieten ihm jede Menge Steine in den Weg. Albert Kunst wollte sich nicht der SED-Ideologie beugen, wurde erst in die brandenburgische Pampa strafversetzt, wo er aber immerhin seine erste Baumschule aufbauen konnte. Als ihm die politische Enge auch dort die Luft zum Atmen nahm, kündigte er. Die Offiziellen reagierten und erteilten republikweit Einstellungsverbot. Erst 1978 gelang es ihm wieder, Fuß zu fassen. Die Familie mit Ehefrau Annelieseund fünf Kindernzog nach Düsterförde. 1982 wurde der erste Spatenstich auf dem Gelände der heutigen Baumschule Dabelow getan. Und dort ließ man ihn endlich in Frieden arbeiten. Nach der Wende übernahm er 1991 den Betrieb in eigene Regie. Es war eine Art Pistole auf die Brust setzen, aber auch überlebenswichtig.
„Mein Vater hätte so gern noch viele Bäume gepflanzt“, sagt Tochter Kerstin Brachaus-Mechow. Eigentlich hätte er mehrere Leben gebraucht, um all die Bäume zu pflanzen, die ihm wichtig waren. Bäume – das waren für Albert Kunst immer wieder Wunder der Natur, denen der Mensch viel zu verdanken hat und denen er ehrfürchtig begegnen sollte. Umso weniger verstand er Raubbau am Wald, die Ansiedlung von Monokulturen und die heutige Waldpolitik, bei der der Wald aus seiner Sicht keine Lobby besitzt. Albert Kunst hat das immer wieder offen ausgesprochen, er ist wohl auch deshalb auch nach 1990 ein Unangepasster geblieben.
Und einer, dem der Ruf vorauseilte, ein exzellenter Fachmann zu sein. Monate-lang hat er sich mit der Frage beschäftigt, warum natürlich ausgesäte Bäume stressfrei anwachsen, während in der Baumschule gezogene häufiger verdorrten. Und er fand heraus, dass diesen Bäume beim Herausnehmen aus dem Boden in der Baumschule häufig eine für die Wasserzufuhr wichtige Wurzel gekappt werde. Seitdem geht man in Dabelow noch achtsamer mit den Setzlingen um, die Anwuchsquote im Wald ist größer geworden. „Mein Vater hätte ein Buch schreiben müssen, so viel hätte er weitergeben können“, sagt Kerstin Brachaus-Mechow.

Die Trauerfeier findet in
der Baumschule statt
Aber er war ein Praktiker – einer, der auch ein Auge hatte für alles, was da kreuchte und fleuchte. Er sorgte für einen Fledermauskeller in Dabelow, ließ die Schwalben in der Baumschulhalle nisten, öffnete ihnen morgens die Tür zum Ausflug und verschloss sie abends wieder. All das hat er jetzt mit in den Tod genommen. Seine letzte Ruhe wird Albert Kunst in einem Friedwald auf Rügen finden. An diesem Freitag um 14.30 Uhr nehmen Familie, Freunde und Weggefährten Abschied von diesem Mann. Die Trauerfeier findet in der Baumschule Dabelow statt. Dort wird Albert Kunst ein letztes Mal verweilen. In einem Sarg, der unter seiner geliebten alten Ulme stehen wird.

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m.steffen@nordkurier.de