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Kaputtes Haus nervt die Dorfbewohner

Mit einem Flatterband lässt sich einiges  richten. Autos und Menschen können so beispielsweise vor herabstürzenden Ziegeln gewarnt werden. Doch mit so einer Lösung will man sich in Hohenzieritz nicht mehr abfinden.

Das  Krugsgehöft  in Hohenzieritz steht seit Jahren leer und verfällt.
Heike Sommer Das Krugsgehöft  in Hohenzieritz steht seit Jahren leer und verfällt.

Das Kruggehöft - eine der ältesten Ausspannen in Mecklenburg - steht seit Jahren leer. Nicht ohne Folgen. Das Gebäude gegenüber vom Hohenzieritzer Barockschloss ist so marode, dass es für Passanten lebensgefährlich ist, sich in der Nähe aufzuhalten. Ein rot-weißes Flatterband soll die nötige Verkehrssicherheit herstellen. Denn der Eigentümer kümmert sich nicht, hieß es bisher im Dorf. Für Britta Kiebel ist diese Flatterbandlösung schlichtweg eine Katastrophe. Grenzt ihre Luisenstube doch unmittelbar an das Kruggehöft. "Jetzt kann hier kein Gast mehr parken. Der Zugang zum Cafégarten müsste aus Sicherheitsgründen auch gesperrt werden", schildert sie die Misere. Aber das will und kann sie sich nicht leisten. Hohenzieritz hat mit dem Schloss, dem englischem Garten und der Luisengedenkstätte gleich drei touristische Anziehungspunkte in der Region zu bieten, aber mit der Luisenstube nur eine Gaststätte. Ihre Existenz steht mit dem baufälligen Nachbarhaus auf dem Spiel.

Der Bürgermeister greift ein

Das will der neue Bürgermeister, Detlev Köhncke, nicht zulassen. "Das Kruggehöft verkommt und reißt andere mit in Schwierigkeiten. So geht's nicht", sagt er. Köhncke nimmt Kontakt mit dem Ordnungsamt auf. Schneller als gedacht nehmen die Dinge jetzt ihren Lauf. Es stellt sich heraus, dass der Eigentümer von den schlimmen Zuständen seines Hauses in Hohenzieritz nichts weiß. Der Mann aus Falkensee ist schwer krank und muss sich von einem Schlaganfall erholen. Dennoch setzt ihm der Landkreis ein Ultimatum, bis wann er die Verkehrssicherheit seines Gebäudes hergestellt haben muss. Ansonsten droht ihm eine Ordnungsstrafe. Und siehe da, Ende Mai findet sich eine Schar Handwerker auf dem Kruggehöft ein. Die Männer reparieren die Gauben,  rücken die Dachziegel zurecht, säubern die Dachrinnen, klopfen lockeren Putz ab. Das rot-weiße Flatterband kann wieder entfernt werden.

Ein Verkauf wäre die Lösung

Parkfläche und Cafégartenzugang sind wieder zu benutzen. Am liebsten wäre es Bürgermeister Detlev Köhncke allerdings, wenn das Kruggehöft grundlegend saniert werden würde. "Der jetzige Eigentümer wird es nicht schaffen. Darauf hoffen wir schon zu lange." Dieser Illusion gibt sich der Bürgermeister nicht mehr hin. Die Einsicht teilt offenbar auch der Eigentümer, der anfangs große Pläne mit dem Kruggehöft gehabt hatte. Wie er Detlef Köhncke kürzlich bei einem Besuch in Hohenzieritz signalisiert hat, würde er das Haus wohl gerne loswerden. Doch wer will schon ein denkmalgeschütztes Haus kaufen, für dessen Sanierung allein eine halbe Million Euro - mindestens - fällig sind.