Bestand ist zu groß:

Forstamt verlängert Wildschwein-Jagdsaison

Wildschweine müssen um ihr Leben fürchten. Denn die Saison der Drückjagden ist verlängert worden. Das liegt vor allem daran, dass es mittlerweile zu viele Schwarzkittel in unseren Wäldern gibt. Damit steigt nämlich die Gefahr, dass die Afrikanische Schweinepest ausbrechen kann.

Eine niedliche Szene mitten im Winterwald. Aber Schwarzkittel sind gegenwärtig die Sorgenkinder der Forstleute.
VOLODYMYR BURDYAK Eine niedliche Szene mitten im Winterwald. Aber Schwarzkittel sind gegenwärtig die Sorgenkinder der Forstleute.

Die Jäger des Neustrelitzer Forstamtes haben 2015 reichlich Wild geschossen. „Wir haben unseren Abschussplan mehr als erfüllt“, sagt Amtsleiter Matthias Puchta. Das ist auch gut so. Besonders der Wildschwein-Bestand ist nämlich viel zu groß und muss so im Zaum gehalten werden. Denn derzeit müssen Forstämter befürchten, dass die Afrikanische Schweinepest vorrückt, die durch Wildschweine übertragen wird. Gibt es zu viele Schwarzkittel, geht die Übertragung der Viren natürlich schneller. Laut Informationen des Experten gibt es bereits Fälle in Polen und in allen drei baltischen Staaten. Da die Afrikanische Schweinepest fast immer tödlich endet, sowohl für Wild- als auch für Hausschweine, würde im Falle eines Falles ein immens hoher wirtschaftlicher Schaden entstehen, erklärt Matthias Puchta. Allerdings: Für Menschen gibt es kein Ansteckungsrisiko.

Gefahr ist sehr hoch

Das für das Borstenvieh gefährliche Virus macht Veterinäramtsleiter Dr. Guntram Wagner nun also große Sorgen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Afrikanische Schweinepest auch zu uns kommt, ist sehr sehr hoch“, macht er deutlich. Es reicht schon, wenn ein einziger Jäger sein erjagtes Wild mit nach Deutschland nimmt, um es hier zu verarbeiten, oder ein Lkw-Fahrer, der sein Wurst-Brot auf einer Raststätte in den Mülleimer wirft. Denn durch den Reise- und Handelsverkehr könne es in einer globalisierten Welt jeden Tag passieren, dass belastete Lebensmittel wie Fleisch und Wurst auch in die Strelitzer Region kommen. „Die Afrikanische Schweinepest hätte Auswirkungen auf die gesamte Landwirtschafts- und Ernährungsgüterwirtschaft“, schätzt Dr. Guntram Wagner die Lage ein. Grund genug, den großen Wildschweinbestand stärker zu regulieren und die Saison für Drückjagden bis zum 31. Januar zu verlängern.

Proben werden eingeschickt

Doch die permanente Dezimierung der Wildschweine sei nicht die einzige Maßnahme. Forstämter, Jagdverbände und Veterinärämter würden eng zusammenarbeiten, um der Schweinepest-Gefahr Herr zu werden. Dazu gehören auch regelmäßige Kontrollen, erklärt Veterinäramtsleiter Dr. Guntram Wagner. So würden Jäger des Landes ohnehin Proben ihres Schwarzwildes zur Analyse einschicken. Fleisch- und Muskelproben werden auf Trichinellen untersucht. Zudem wird durch stichprobenartige Blutproben kontrolliert, ob das Schwarzwild mit der Schweinepest infiziert ist. So wurden von Januar bis November 2015 in der Seenplatte knapp 1400 Blutproben auf die Europäische Schweinepest und knapp 300 Proben auf die Afrikanische getestet. „Das ist schon eine ordentliche Nummer“, so Dr. Guntram Wagner.

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