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Frau in Not – Mann pfeift auf Fahrverbot

Ein 57-Jähriger darf wegen mehrfacher Trunkenheit am Steuer kein Auto mehr lenken. Doch als seine Frau unsagbare Schmerzen hat, setzt er sich hinters Steuer, wird erwischt und muss vor Gericht.

Der Angeklagte kam noch mal glimpflich davon.
NK-Archiv Der Angeklagte kam noch mal glimpflich davon.

Frank P. zieht ein großes Stofftaschentuch aus seiner Hosentasche, setzt die Brille ab, wischt sich über die Augen und schnaubt. „Jetzt kommt alles wieder hoch“, nuschelt er und kann dann nicht mehr weiter reden. Richter Jörg Landes will die Verhandlung schon unterbrechen, doch Frank P. lehnt ab. Er will das durchstehen.

Der Wesenberger muss sich vorm Neubrandenburger Amtsgericht wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verantworten. Doch sein Auszug aus dem Bundes­zentralregister ist lang, sechs Einträge seit 1996 – alle in Verbindung mit Alkohol, weshalb ihm schon mehrfach der Führerschein entzogen wurde.

Den hatte er auch Anfang August nicht, als er von der Polizei gestoppt wurde. Frank P. war zwar nüchtern, aber ohne Führerschein unterwegs. Der Wesenberger erklärt dies mit einer Notsituation.

Darmdrama am Hochzeitstag

Er und und seine Frau hätten Hochzeitstag gehabt, seien essen gewesen und hätten danach noch eingekauft. „Plötzlich ging es meiner Frau ganz schlecht. Sie hatte extremen Durchfall“, berichtet der Beschuldigte. Es sei nicht mehr daran zu denken gewesen, dass sie das Auto nach Hause kutschieren kann. „Ich habe gesagt, sie soll alles zukneifen, was geht, ich bringe sie nach Hause“, berichtet er.

Doch Polizisten folgten ihnen, „wohl weil sie dachten, wir seien nicht angeschnallt“. Ein Trugschluss, doch bei der Kontrolle wurde klar: Frank P. hatte keinen Führerschein.

Offenheit rettet vorm Gefängnis

„Mit der Alkohol-Scheiße habe ich mir mein Leben verbaut“, resümiert er. Seit Anfang des Jahres befinde er sich in therapeutischer Behandlung. Er spricht offen über sein Alkoholproblem. „Früher habe ich so viel getrunken, da würden andere sterben“, meint er. Drei bis vier Flaschen Korn, 4,0 Promille – für Frank P. war das Normalität.

Dass der Angeklagte so offen mit seiner Sucht umgeht und geständig ist, hält der Richter ihm zu Gute. Das Urteil fällt dann auch milde aus: sechs Monate Freiheitsstrafe, auf zwei Jahre Bewährung ausgesetzt. Hinzu kommt eine Geldstrafe von 100 Euro. Recht niedrig, weil der Angeklagte wegen vorheriger Delikte noch etwa 3000 Euro zu begleichen hat.

„Normalerweise kann es bei dieser Zahl von Vorstrafen nicht noch mal Bewährung geben. Doch der Umgang des Angeklagten mit seinem Problem rettet ihn vor dem Gefängnis“, so der Richter. Ein weiteres Mal werde es nicht so glimpflich ausgehen.