Umweltverschmutzung in Grünow:

Gemeinde nimmt Anlauf zur Rettung des Sees

Das Gewässer verkommt zu einem blubbernden Algenbad. Anwohner haben die übel riechende Brühe satt. Sie ergreifen die Initiative.

So sieht der Grünower See an schlechten Tagen aus. Eine stinkende Schicht aus Blaualgen treibt auf der Wasseroberfläche, durch Fäulnisgase bilden sich Blasen. 
Claus Weber So sieht der Grünower See an schlechten Tagen aus. Eine stinkende Schicht aus Blaualgen treibt auf der Wasseroberfläche, durch Fäulnisgase bilden sich Blasen. 

Er wirft Blasen, er stinkt, und er ist sogar giftig: Der Grünower See mutiert jedes Jahr im Sommer zu einem blubbernden Algenbad. Alteingesessene Einwohner der Anliegergemeinde Grünow erinnern sich, dass der idyllisch zwischen bewaldeten Hügeln gelegene See früher beliebte Badestellen hatte. Auch zum Angeln taugte das Gewässer bestens. Doch seit vielen Jahren will niemand mehr auch nur einen Finger ins mit Dünger und Blaualgen verseuchte Wasser halten. Die Grünower haben die übel riechende Brühe satt, sie wollen den See wieder sauber haben. Jetzt ergreifen sie die Initiative.

Schritt eins ist eine Einwohnerversammlung, zu der Bürgermeister Wolfgang Nadolny am Mittwoch (4. Februar) einlädt. „Wir müssen uns über die Ursachen informieren und überlegen, was wir dagegen tun können.“ Schritt zwei soll die Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Grünow und den ebenfalls betroffenen Gemeinden Carpin und Feldberger Seenlandschaft werden. „Grünows  Möglichkeiten sind beschränkt. Darum wollen wir auf Carpin und Feldberg zugehen.“

Bei der Einwohnerversammlung stellt Geologe Jürgen Hinz sein geohydrologisches Gutachten vor. Von August 2011 bis Juli 2012 untersuchte er den See im Auftrag des Nationalpark-Dachverbands Europarc. Schuld an der Verschmutzung ist demnach die industrielle Landwirtschaft.

Das Problem ist lange bekannt, auch bei den zuständigen Behörden und den politisch Verantwortlichen. Seit vielen Jahren wird überlegt und diskutiert, gebessert hat sich bislang nichts. Auch das Jugendwaldheim Steinmühle, eine Jugendbildungsstätte des Landes, leidet unter dem Zustand.

Die Einwohnerversammlung am Mittwoch, dem 4. Februar, beginnt um 18 Uhr im Feuerwehrgebäude in Grünow. Geologe Jürgen Hinz stellt das Gutachten vor. Die Diskussion moderiert Feldbergs Naturparkleiter Peter Wernicke.

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Kommentare (1)

Die gesetzliche Düngesperrfrist endete am 31. Januar. Zwei Wochen zuvor hat das Präsidium des Deutschen Bauernverbandes (DBV) eine Erklärung mit dem Titel „Sach- und fachgerechtes sowie praxistaugliches Düngerecht sicherstellen“ verabschiedet. Dass "die gute fachliche Praxis" der Agrarindustrie klare Gewässer in übel riechende Brühe verwandeln kann, darf nicht länger hingenommen werden. Vor allem, wenn das Problem seit langem bekannt ist, auch bei den zuständigen Behörden und den politisch Verantwortlichen. Aber der DBV kritisiert schon jetzt, "dass die vorgeschlagene Beschränkung der Herbstdüngung zum Teil über bisher vorhandene strenge Ländererlasse hinausgehe. Der Klimawandel habe auch in Deutschland zu deutlich verlängerten Wachstums- und Vegetationsphasen geführt. Dies müsse bei der Festlegung von Sperrfristen berücksichtigt werden." Doch vor weiteren Zugeständnissen an den Bauernverband, sollte erst mal was anderes "geklärt" werden. Die Grünower Einwohner werden am Mittwoch erfahren, wie schwer das ist.