Spray-Angriff im Wahlkampf:

Gepfefferte Strafe für NPD-Mann

Politik, Plakate, Pfefferspray: Irgendwas passt nicht zu diesem Trio: Genau, das Reizspray. Das sprühte ein Neustrelitzer NPD-Stadtvertreter einem Mann ins Gesicht, der ihn bei seiner Arbeit aus dem Konzept brachte. Den Richter in Waren interessiert dieser Umstand nicht.

Verteidigte sich auch vor Gericht selbst: Marko Zimmermann, NPD-Abgeordneter in der Stadtvertretung Neustrelitz.
Udo Roll Verteidigte sich auch vor Gericht selbst: Marko Zimmermann, NPD-Abgeordneter in der Stadtvertretung Neustrelitz.

Da wollte Marko Zimmermann friedlich seine NPD-Wahlplakate für das Volk aufhängen. Und dann quatschte ihn jemand quasi von der Seite an: „Die müssen Sie gar nicht so hoch hängen, die sind da sowieso nicht lange dran“, zeigte sich ein 54-jähriger Dorfbewohner aus Wendfeld bei Neustrelitz an jenem Maitag 2014 wenig freundlich.

Und so bangte der NPD-Abgeordnete aus der Neustrelitzer Stadtvertretung offenbar um die Haltbarkeit seiner mühevoll und per Leiter platzierten Wahlaufrufe und wollte genauer wissen, wer da seine Arbeit und/oder seine Partei mies machen wollte. Er filmte auf dem Grundstück des Kritikers Name und Adresse. Dass dieser das wenig amüsant fand und den Eindringling vom Hof jagte, hatte dem 30-jährigen Angeklagten nach eigenem Bekunden Angst eingejagt, geschlagen zu werden.

Also zückte er sein Pfefferspray und zielte auf den in Brass Geratenen. „Er kam aufgebracht auf mich zu. Nur meine auf dem Boden liegende Leiter trennte uns. Er gestikulierte wild mit den Armen bei seinen Worten und ich dachte, dass er gleich zuschlägt“, versuchte Zimmermann eine Begründung für seine Variante der Selbstverteidigung.

Opfer soll Mitschuld tragen

Zimmermann hielt es auch vor Gericht im wahrsten Sinne mit der Selbst-Verteidigung. Er war ohne Anwalt erschienen, stritt wenig ab und sah eigentlich den Geschädigten Dorfbewohner, der seine Plakate nicht wollte, als Ursache für sein Vergehen. Ganz Unrecht gab Richter Michael Kasberg ihm nicht. Wenngleich das selbstredend niemals eine solche Reaktion rechtfertige. Doch hätte der Eine die Plakataktion nicht kommentiert, hätte der Andere nicht auf das Grundstück gewollt, hätte es keine Filmerei, keine Rage und wahrscheinlich auch keine Spray-Attacke gegeben.

All die Wenn und Aber allerdings helfen bei Gericht wenig. Dort braucht es Tatsachen. Und diese schuf Richter Kasberg mit seinem gepfefferten Urteil: Marko Zimmermann, der als Monteurshelfer 1100 Euro netto nach Hause bringt, wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von rund 4300 Euro verurteilt. 150 Euro monatlich muss er künftig abdrücken, bis die Sache aus der Welt ist. Die Gerichtskosten gilt es für ihn ebenso aufzubringen.

Nicht das erste Mal vor dem Richter

Doch eine weiße Politiker-Weste hatte Zimmermann auch zuvor nicht. So finden sich „Flecken“ aus dem Jahre 2007, als er wegen Beleidigung vor Gericht landete, ebenso wie 2009, als er sich verantworten musste, weil er einen Wurfstern besaß (ein in Deutschland verbotenes scharfes Wurfgeschoss, Anm. d. Red.). Dass das mit den Waffen für Zimmermann ohnehin nicht so gut ist, das bekam er quasi amtlich. Denn auch die Erteilung eines Waffenscheines wurde widerrufen.

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Kommentare (1)

Laut §224 StGB wird gefährliche Körperverletzung mit Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis 10 Jahren bestraft, in minder schweren Fällen immerhin noch 3 Monaten bis 5 Jahren Freiheitsstrafe! Da würden mich mal die Gründe für diese milde Geldstrafe interessieren.