Dach-Erneuerung:

Baupfusch an Kita kostet mindestens eine Million Euro

Zuerst gab es Flecken am Boden, dann an der Decke. Dann kam der Gutachter in die Kindertagesstätte in der Neustrelitzer Schwentnerstraße. Und beförderte schlimme Fakten ans Tageslicht.

Die Türen zur Neustrelitzer Kindertagesstätte „Knirpsenland“ werden noch lange geschlossen bleiben. Denn in der Kita sind gravierende bauliche und planerische Mängel aufgetreten.
Marlies Steffen Die Türen zur Neustrelitzer Kindertagesstätte „Knirpsenland“ werden noch lange geschlossen bleiben. Denn in der Kita sind gravierende bauliche und planerische Mängel aufgetreten.

Pfusch am Bau bereitet dem Neustrelitzer Reha-Zentrum ein riesiges Problem. Die Mitarbeiter bangen um ihre erst 2012 neu errichtete Kindertagesstätte „Knirpsenland“. Das Gebäude in der Schwentner-Straße wurde bereits im Dezember 2014 leer gezogen, weil der Fußboden Schaden genommen hatte. Außerdem wurden auch Flecken an der Decke gesichtet, sagt Brunhilde Dittrich, die Geschäftsführerin des Reha-Zentrums.

Das Rehabilitations-Zentrum als Träger der Kindertagesstätte leitete ein Beweissicherungsverfahren beim Landgericht Neubrandenburg ein. Und dann kam es richtig dicke. Der Gutachter stellte erhebliche Schäden fest. So war die Dämmung nicht fachgerecht, die Dampfsperre unvollständig. Die tragenden Teile der Dachkonstruktion waren bereits von Pilzen befallen. Auch die Decken wiesen Schäden auf.

Alles ging schief beim Bau

Dem Gutachten zufolge wurde sowohl bei der Bauplanung als auch bei der Bauausführung und -überwachung gepfuscht. Bei dem zuständigen Unternehmen mit dem Gewerk Zimmerer, Dämmung und Trockenbau war nichts mehr zu holen. Es hat Konkurs angemeldet.

Erfolg hatte das Reha-Zentrum bei seinen gegenüber dem Architekten angemeldeten Ansprüchen. Hier wurden zwischenzeitlich 300 000 Euro als Versicherungssumme gezahlt. Das klingt nach viel Geld – für das Rehazentrum ist es nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Besitzer setzen auf Spender

Denn an dem Kita-Gebäude muss die gesamte Dach- und Deckenkonstruktion erneuert werden. Die voraussichtlichen Kosten belaufen sich auf rund 970 000 Euro. Woher die fehlenden 670 000 Euro kommen sollen, das steht noch nicht fest. Eine Neuverschuldung schließt das Reha-Zentrum aus. Die neuen Schulden müssten auf die Elternbeiträge umgelegt werden. „Das aber können wir uns nicht leisten“, verdeutlicht Brunhilde Dittrich.

Alle Hoffnungen ruhen jetzt auf dem Einwerben von Geldern aus Spenden und Stiftungen. Über 20 Partner aus Politik und Stiftungsgremien sind angeschrieben worden. Auch über Spendensammlungen in Neustrelitz selbst wird nachgedacht. „Wir müssen das schaffen, das sind wir unseren Kindern schuldig“, bekräftigt Brunhilde Dittrich.

Weitere Monate in Ausweich-Kita stehen bevor

Bei den Eltern hat sie bislang großes Verständnis angesichts der Nöte mit dem Kita-Bau erfahren. Die 113 Krippen- und Kindergartenkinder sind nach wie vor in der ehemaligen Forsthaus-Kita am Tiergarten untergebracht. Dort werden sie auch noch etliche Monate bleiben, denn die Bauarbeiten an der Knirpsenland-Kita können frühestens im Frühjahr 2016 beginnen, so Dittrich. Die Forsthaus-Kita ist auch keine Ideallösung. Die Stadt selbst hatte dort vor einigen Jahren eine Kindertagesstätte aufgegeben – sie war zu klein und stark renovierungsbedürftig.

Im Neustrelitzer Rathaus umd beim Landkreis hat man Unterstützung signalisiert. Und noch jemand anderes ist mit im Boot. Ein Kaufinteressent für das Forsthaus stellt seine Pläne vorerst zurück. Wer das Reha-Zentrum mit Spenden unterstützen möchte, kann sich direkt in der Einrichtung unter: 03981 24680 melden.