Neuer Besitzer gibt sich ahnungslos:

Laden geschlossen und keiner hat es den Mitarbeitern gesagt

Sie haben alles für den guten Haarschnitt ihrer Kunden getan. Doch jetzt wussten die Friseurinnen nicht mehr, wer ihr Arbeitgeber ist, wer ihr Gehalt zahlt und wie die Zukunft aussieht. Wie es den Mitarbeitern einer Friseurkette in Neustrelitz ergangen ist, macht selbst die Angestellten der Arbeitsagentur fassungslos.

Dieser Zettel hängt nun an der Tür des Friseurladens.
Anett Seidel Dieser Zettel hängt nun an der Tür des Friseurladens.

Machen sie so weiter, waren die letzten Worte, die die Friseurinnen von ihrem Chef hörten. Der hatte ihnen kurzfristig mitgeteilt, dass das Geschäft zum 1. April verkauft sei und sich in Kürze jemand mit den Mitarbeitern in Verbindung setzen wird. Wie es generell weitergehen würde, könne er nicht sagen. Die Friseurinnen blieben daraufhin verblüfft in dem Salon in der Strelitzer Straße zurück.

Wer zahlt jetzt unser Gehalt, wer ist unser Arbeitgeber und wie sieht die Zukunft des Geschäftes aus?. „Wir haben weitergemacht“, heißt es in den Berichten, der Betroffenen. Die Situation am Arbeitsplatz wurde jedoch immer unsicherer.  „Wir arbeiteten quasi ohne Arbeitgeber.“ Niemand stellte sich den Frauen als neuer Chef vor. Daraufhin traten sie noch einmal an ihren alten Vorgesetzten heran. „Wir sollten uns unseren Lohn täglich aus den laufenden Einnahmen auszahlen“, hieß es von dort. Schriftlich wollten die Frauen das haben und bekamen tatsächlich ein Schreiben, dass das Geschäft verkauft und dass das Geld in bar auszuzahlen sei.

Der Neue reagiert erstaunt

Schließlich nahmen die Frauen Kontakt zu dem neuen Besitzer auf. Der fiel wohl aus allen Wolken, als er hörte, dass in den Geschäften, die er gekauft hatte, noch Mitarbeiter tätig waren. Schließlich kam es, wie es kommen musste. Der Salon sollte zugemacht werden. Die Frauen bedienten ihre letzten Kunden und hängten ein Zettel in die Tür mit der Aufschrift: „Bis auf weiteres geschlossen“ und schlossen ab. Sie setzten sich mit der Handwerkskammer in Verbindung, gingen zur Agentur für Arbeit und auch ein Rechtsbeistand wurde um Rat gebeten.

Eine Kündigung haben sie bis heute nicht erhalten. „Wir waren in dem Glauben, dass der Laden verkauft und unter neuer Führung weitergeführt wird.“ Doch darin hatten sie sich getäuscht. „Die Kunden fühlen sich betrogen“, sagen die Betroffenen heute.  Zuletzt gab es nun einen Lohnzettel, aber keinen Lohn. Auf dem Zettel war jedoch schon ein Austrittsdatum vermerkt: der 31. März 2015.

Gab es da viele Missverständnisse?

„Ich bin fassungslos“, sagt Uwe Hänsch vom Job-Center. „Zum Glück wissen in der Region die meisten Arbeitgeber, was sie tun.“ So ein Verhalten sei auch in den Kreisen der Arbeitsagentur und des Job-Centers eine Ausnahme. Für die Arbeitnehmer sei es äußerst unglücklich gelaufen. Da müsse es beim Verkauf der Geschäfte eine Menge Missverständnisse gegeben haben. Der Schritt zur Agentur für Arbeit sei für die Mitarbeiterinnen absolut richtig gewesen. Damit nichts offen bleibt, empfiehlt der Chef des Job-Centers, einen Rechtsbeistand einzuschalten.

Auch bei Michael Umlauf, einem Geschäftsführer der Umlauf Light GmbH hat der Nordkurier nachgefragt. „Die Firma ist verkauft“, macht dieser unmissverständlich klar. „Samt Mitarbeitern.“ Was der Käufer nun mit der Firma mache, obliege allein ihm. Gut gelaufen sei das Geschäft in Neustrelitz ohnehin nie.

Michael Naßhan ist der neue Besitzer. Seine Firma kümmert sich um die Abwicklung von Unternehmen, wie er bestätigt. „Zum Zeitpunkt des Verkaufs lief bereits ein Insolvenzverfahren, dass durch Dritte beantragt wurde“, macht er wiederum deutlich. Bei der Übernahme der Geschäfte sollten seines Wissens nach dort keine Angestellten mehr tätig sein, beschreibt Michael Naßhan. Das sei jedoch nicht der Fall gewesen. Nun habe der neue Besitzer quasi die Notbremse gezogen, die Frauen vor die Tür gesetzt und die Geschäfte geschlossen. Für die Frauen tue es ihm leid.