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Gestohlenes Denkmal: Behörden waren zu langsam

Der in Neustrelitz verschwundene Obelisk hat offenbar mehr als einen Monat lang mit dem Wissen des Denkmalschutzes ausgegraben dagelegen. Auch die Stadtverwaltung hätte den Diebstahl wohl verhindern können.

Dieses Denkmal zum deutsch-französischen Krieg wurde Ende Februar in der Neustrelitzer Bürgerhorst entdeckt. Seit Anfang April ist es verschwunden.
Stadt Neustrelitz/Andreas Köhncke Dieses Denkmal zum deutsch-französischen Krieg wurde Ende Februar in der Neustrelitzer Bürgerhorst entdeckt. Seit Anfang April ist es verschwunden.

Da ist wohl von Amts wegen nicht damit gerechnet worden, dass ein Denkmal auch gestohlen werden kann: Bereits seit dem 1. März war bekannt, dass in der Neustrelitzer Bürgerhorst eine halb ausgegrabene Stele zum Gedenken an den deutsch-französichen Krieg 1870/71 liegt. Dieses Datum ist dem Nordkurier aus dem Schweriner Kulturministerium bestätigt worden. Das Ministerium ist auch für das Landesamt für Denkmalpflege zuständig. In dessen Neustrelitzer Außenstelle ist der Fund am 1. März angezeigt worden. Erst am 17. März hat es einen Ortstermin gegeben.

Seit diesem Tag wusste Informationen aus dem Neustrelitzer Rathaus zufolge auch die Stadt von dem Lagerplatz. "Die Bergung sollte nach Ostern erfolgen", bestätigte Rathaussprecherin Petra Ludewig. Parallel sei mit Recherchen zur Herkunft der Stele begonnen worden. Am 5. April - da war Ostern bereits eine Woche vorbei - sei der Diebstahl bekannt geworden, am 6. April wurde Anzeige durch die Stadt erstattet.

Denkmalpfleger und Stadt blieben untätig

Beim Nordkurier hat sich zwischenzeitlich Matthäus Bischof gemeldet. Der junge Mann gehört zu jenen, die den Obelisken in der Bürgerhorst gesehen haben. Er muss nicht der Einzige gewesen sein, zwischenzeitlich soll das Thema beispielsweise auch in der Gartenanlage in der Bürgerhorst die Runde gemacht haben. Matthäus Bischof informierte das zuständige Landesamt für Denkmalpflege via E-Mail. Erst mehr als eine Woche später sei ihm geantwortet worden. Zudem habe man ihm mitgeteilt, dass es im Moment keine Kapazitäten gebe, den Obelisken zu besichtigen.

Er habe noch mehrfach geschrieben, dass sich die Stadt beeilen solle, da immer weiter gegraben wurde. Drei Wochen nach der Meldung sei er sogar persönlich im Rathaus gewesen und habe den Fund mit Hilfe von Fotos vorgestellt. Aus seiner Sicht sei die Mitarbeiterin, die er antraf, nicht sonderlich interessiert an der Angelegenheit gewesen.  

Die Polizei sucht immer noch nach Zeugen, die den Abtransport des Denkmals beobachtet haben. Diese können sich unter der Telefonnummer 03981258224 melden.