Sorge ums Wasser:

Grünow allein kann See nicht retten

Mancher Einwohner erinnert sich an Zeiten, als man im Grünower noch baden konnte. Mittlerweile werfen Schadstoffe dort Blasen. Und Land­wirte wehren sich gegen den Verdacht, Überdüngung könne an der Misere schuld sein.

Eine Cyanobakterienschicht beschert dem Grünower See eine abstoßend schäumende Oberfläche.
Susanne Böhm Eine Cyanobakterienschicht beschert dem Grünower See eine abstoßend schäumende Oberfläche.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Weder ein Buhmann noch ein Patentrezept wurde gefunden, als es bei einer Einwohnerversammlung in Grünow um den schlechten Zustand des Grünower Sees südöstlich von Neustrelitz ging. Nicht einmal schnelle Lösungen sind in Sicht für das algenbelastete, mitunter geradezu stinkende Gewässer.

Für die meisten der rund 50 Teilnehmer aus Grünow, der Feldberger Seenlandschaft, Carpin, Thurow, Möllenbeck und Blankensee war sicher überraschend, dass es keinen Schuldigen für die Misere gibt, dass offenbar keine kriminellen Umweltvergehen auszumachen sind.

Wissenschaftlich belegt ist hingegen, dass jahrzehntelang zu viel mit Nährstoffen belastetes Wasser aus einem Einzugsgebiet von 2000 Hektar über Drainage-Rohre in den Godendorfer Mühlenbach und von dort in und durch den Grünower See fließen. Das sei viel zu viel Ackerfläche für diesen kleinen und flachen See.

Land als Eigentümer könnte Einfluss nehmen

Früher sei es aber nicht so schlimm gewesen, erinnert sich die Grünowerin Renate Gartz. Sie habe einst in dem See gebadet – was heute gar nicht mehr möglich und auch verboten sei. Sie regte an, den Dünger zu verteuern, damit die Bauern nicht so viel auf die Felder brächten. „Früher sind die Landwirte achtsamer damit umgegangen“, befand sie.

Das ließ aber der Landwirt Hubertus Hübner aus Flatow nicht so im Raum stehen: „Dünger ist teuer, keiner von uns setzt mehr ein als nötig“, stellte er klar. Auch Bauer Thomas Bischoff aus Möllenbeck wirft „kein Geld aus dem Fenster beim Düngen“, wie er betont.

In der überaus sachlichen Diskussion kam zur Sprache, dass große Flächen im Einzugsgebiet des Grünower Sees dem Land gehören. Schwerin könnte somit nachhaltige Biolandwirtschaft mit geringen Düngergaben bei der Verpachtung vorgeben. Von der BUND-Ortsgruppe Feldberger Seenland kam der Vorschlag, dass sich alle 29 Landwirte, Vertreter der Gemeinden, des Kreises und des Landes an einen Tisch setzen und nach Lösungen suchen. Mehrere anwesende Landwirte haben ihre Bereitschaft zur Mitarbeit erklärt.