Kurzwaren in der Neustrelitzer Innenstadt:

Hier wird das Stöbern zu einer Zeitreise

Handarbeit ist im Trend - doch ein Kurzwarenladen in der Neustrelitzer Innenstadt wirkt wie aus einer Zeit, als man noch "in Mode" sagte. Die Kunden schwelgen in Nostalgie.

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Félice Gritti Stoffe, Knöpfe, Garn und Wolle in allen Farben gibt es im Kurzwarenladen von Barbara Suhr-Lehmann.

Barbara-Suhr-Lehmann lächelt und zieht die Schultern hoch. So genau kann sie das nicht sagen, warum ihr Laden noch da ist. Die Frau im grünen Fleece-Pullover sitzt in einer weißgetünchten Altbauwohnung, Holzdielen am Boden, viel Licht, viel Luft. Hier finden normalerweise Strick- und Nähkurse statt, eine Etage weiter unten ist ihr Laden, mitten in der Neustrelitzer Fußgängerzone.

Barbara Suhr-Lehmann verkauft Wolle, Stoffe und Kurzwaren. Der Laden wirkt wie aus einer anderen Zeit. Bis unter die Decken türmen sich die Stoffrollen, von allen Seiten quellen Wollknäuel hervor, in jeder Ecke steht ein Ständer mit Faden, Knöpfen, Reißverschlüssen, der enge Raum ist angefüllt mit allen Farben dieser Welt. „Inventur mach ich nicht“, sagt sie lachend, „einmal hab ich angefangen, keine Chance“.

Ein elektronisches Lagersystem gibt es nicht

Suhr-Lehmann führt mehrere tausend Artikel in ihrem Sortiment, und sie findet fast immer, was die Kunden brauchen – ohne elektronisches Lagersystem. „Meine Erfolgsrate ist ziemlich hoch“, sagt sie. Kurz klingt Stolz durch, da kehrt die Bescheidenheit schon wieder zurück. Seit jeher habe sie gerne gestrickt und genäht, erzählt die gelernte Umwelttechnikerin, auf die Idee mit dem Laden sei sie gekommen, als sie auf der Suche nach Arbeit war: „Ich dachte, probieren wir das mal. Scheint ja irgendwie funktioniert zu haben.“ Mittlerweile besteht der Laden seit 14 Jahren.

Heute liegt Handarbeit wieder im Trend, Suhr-Lehmanns Kundschaft ist bunt gemischt. „Hier kommen auch Leute rein, die Anfang zwanzig sind“, erzählt sie. „Viele junge Leute wollen für sich oder ihre Kinder was nähen.“ Das war nicht immer so: Suhr-Lehmann weiß von vielen Kollegen, die ihre Geschäfte aufgeben mussten. Noch heute schließen viele Läden über den Sommer, erzählt sie, da sich die Wolle nicht verkauft.

Konkurrenz durch das Internet

Auch für den Laden in der Neustrelitzer Innenstadt ist der Winter die Hauptgeschäftszeit, der Sommer aber bringt immerhin Touristen. Voller Nostalgie stürmten die in den Laden und kauften alles durcheinander, erzählt Suhr-Lehmann. „Das freut mich immer“, sagt sie, „da denk ich mir: doch nicht so verkehrt, was ich hier mache.“

Gerne würde man glauben, der kleine Laden sei der Zeit entkommen, habe dem Fortschritt die Tür verriegelt. Gewisse Widrigkeiten aber schaffen es über jede Schwelle: „Manche kommen rein, fragen nach, machen manchmal noch ein Foto und kaufen dann online“, erzählt Suhr-Lehmann. Aber was soll's? „So lange es Spaß macht, möchte ich das gerne so machen, wie es jetzt ist“, sagt sie bestimmt. „Und es macht Spaß.“ Vielleicht ist das ja der Grund, warum ihr Laden noch da ist.

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