Straßen-Baustelle:

Ist ja irre, diese Umleitung bei Zechlinerhütte!

Da haben sich die Behörden einen richtigen Schildbürgerstreich geleistet. Der Anlass ist eine Baustelle in Zechlinerhütte. Die Verantwortlichen finden es klüger, die Fahrbahn der Mini-Umfahrung nicht zu sehr zu stressen. Deshalb haben sie eine Lösung parat, die bei den Autofahrern für Kopfschütteln sorgt.

Dieses Schild in Wesenberg leitet seit Tagen Autofahrer in die Irre. Die direkte Verbindungsstraße zwischen Wesenberg und dem brandenburgischen Rheinsberg ist gar nicht gesperrt. Man kommt sehr wohl ins Nachbarland.
Susanne Böhm Dieses Schild in Wesenberg leitet seit Tagen Autofahrer in die Irre. Die direkte Verbindungsstraße zwischen Wesenberg und dem brandenburgischen Rheinsberg ist gar nicht gesperrt. Man kommt sehr wohl ins Nachbarland.

Umleitungsschilder und eine angebliche Straßensperre führen Autofahrer seit Tagen an der Nase herum. Wer aus dem Raum Wesenberg nach Rheinsberg oder Neuruppin möchte, wird über eine gewaltige Umleitung geschickt, obwohl der Umweg eigentlich gar nicht unbedingt nötig ist.

Das Dilemma beginnt in Wesenberg. Dort signalisieren Vorwegweiser und Umleitungsschilder, die Bundesstraße 122 nach Rheinsberg sei voll gesperrt, in die brandenburgische Nachbarstadt führe nur der Umweg über die Bundesstraßen 198 und 96 durch Fürstenberg und Menz. Wer den Schildern glaubt und der Umleitung folgt, fährt 50 Kilometer bis nach Rheinsberg. Das ist doppelt so lang wie der direkte Weg. Und das, obwohl die B 122 gar nicht richtig gesperrt ist.

Sackgasse oder Vollsperrung? Hier nicht!

Völlig reibungslos gelangen Autofahrer bis fast nach Rheinsberg. Keine Spur von einer Sackgasse oder einer Vollsperrung. Auf der ganzen Strecke gibt nur es eine einzige Behinderung: in Zechlinerhütte, sieben Kilometer vor Rheinsberg. Dort wird die Ortsdurchfahrt saniert. In einem kleinen Bogen können die Autofahrer ums Dorf herum kurven. Der Umweg beträgt gerade einmal 200 Meter, zwei Ampeln regeln alles, die Wartezeit dauert rund sieben Minuten. Es läuft problemlos.

Ist da jemandem beim Ausschildern ein Fehler unterlaufen? Wird der Irrtum korrigiert? Kann der Verkehr bald wieder ohne Um- und Irrwege rollen? Nein, sagen der Servicebetrieb Rheinsberg (SBR), der in Zechlinerhütte Schmutzwasserkanäle und Druckleitungen verlegt, und die Verkehrsbehörde des Landkreises Ostprignitz-Ruppin, die die Umleitung genehmigt hat. Der Umweg sei durchaus absichtlich ausgeschildert und solle beibehalten werden.

Die riesigen Laster sollen draußen bleiben

Die Begründung: Der Fern- und Schwerlastverkehr darf nicht auf die kleine Dorfumfahrung bei Zechlinerhütte gelangen. Die schmale Straße verträgt weder große, noch viele Fahrzeuge, erklärt SBR-Leiterin Anke Freitag. „Wenn da Lastwagen lang fahren, wird alles kaputt gemacht.“ Klaus Diehr, Sachbearbeiter für Verkehrssicherung beim Kreis Ostprignitz-Ruppin, verweist auf die Ampelregelung in Zechlinerhütte. „Wir können die Ampel nicht so stark strapazieren, sonst kommt es dort zu langen Wartezeiten.“

Die Variante, die B 122 nur für den Schwerlastverkehr zu sperren, sei von allen beteiligten Behörden verworfen worden. „Wenn wir die Sperrung nur für Lkw ausschildern, hält sich sowieso niemand daran“, so Anke Freitag. Die Lösung ist „ein Kompromiss“, sagt Anke Freitag, und Klaus Diehr schätzt die Situation als „gewöhnungsbedürftig“ ein. Letztlich aber habe sich kein anderer Ausweg gefunden.

Was von vielen Autofahrern als Schildbürgerstreich empfunden werden dürfte, sorgt auch bei Einwohnern und Unternehmern in Zechlinerhütte für Ärger. Denn die Baustelle soll noch ganze zwei Jahre lang bleiben. Wenn der SBR mit den Kanalarbeiten fertig ist, will der Landesbetrieb Straßenwesen im Auftrag des Bundes die Ortsdurchfahrt erneuern – eine Endlosbaustelle.

Zwei Jahre lang kommt niemand durch

Der Urlaubsort wird zwei Jahre lang abgeriegelt, der Verkehr an ihm vorbei geleitet. Tourismusanbieter befürchten, dass kaum Gäste ins Dorf kommen. Anfangs waren die Zechlinerhütter davon ausgegangen, dass die Ortsdurchfahrt höchstens eine Saison lang gesperrt oder der Verkehr vielleicht sogar einspurig durch die Baustelle geleitet wird. Dann aber musste der Servicebetrieb schneller bauen, weil er Fördermittel bekam, diese aber bis Ende 2015 ausgeben musste. Der Bund hingegen bleibt bislang bei seiner Planung, will erst 2016 bauen. Autofahrer können sich also noch jahrelang selbst aussuchen, ob sie den Umleitungsschildern glauben oder die preis- und zeitgünstigere Direktverbindung wählen.

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