Wohin bloß mit den Frühjahrswürfen?:

Katzen-Asyle platzen aus allen Nähten

Bereits jetzt ist es in den Katzenhäusern sehr eng. Eine neue Landesverordnung zur Katzenkastration bereitet den Neustrelitzer Tierschützern zusätzlich schlaflose Nächte.

Kater Armando lässt sich gern von Anne-Katrin Keuer streicheln. Trotzdem hätten sie und er gern ein neues Zuhause für ihn, denn die nächsten heimatlosen Stubentiger kommen bestimmt bald.
Andrea Dittmar Kater Armando lässt sich gern von Anne-Katrin Keuer streicheln. Trotzdem hätten sie und er gern ein neues Zuhause für ihn, denn die nächsten heimatlosen Stubentiger kommen bestimmt bald.

Die Tierschützer der Pfötchenhilfe Neustrelitz sind ratlos. „Der Bestand ist seit dem Herbst stabil, zur Zeit sind 22 Katzen bei uns“, sagt Vereinsvorsitzende Anne-Katrin Keuer. Würde jetzt ein Wurf Katzenkinder vor der Tür stehen, wüssten die Tierschützer nicht, wohin mit ihnen. „Die kommenden Monate bereiten mir schon Sorge, wenn die neuen Würfe kommen.“ Denn selbst das Behandlungszimmer für die Tierarztbesuche hat gerade einen tierischen Bewohner. Simba kam als eine der letzten Katzen und ist noch so scheu, dass Anne-Katrin Keuer ihn kaum hinter seinem Katzenkorb hervorlocken kann.

Die neue Verordnung aus Schwerin, die vorsieht, dass jede Freigängerkatze kastriert wird, könnte das Platzproblem der Neustrelitzer sogar noch verschlimmern. „Ich befürchte, dass Muttertiere und tragende Katzen dann auf die Straße gesetzt werden, weil die Besitzer sie nicht kastrieren wollen.“ Manchmal standen sogar schon Kisten vor der Tür, in denen Muttertiere mit ihren Jungen eingepackt waren. Schon jetzt rufen einige Neustrelitzer an, weil sie tragende Tiere gesichtet haben. „Aber wir können nicht überall sein, um die Katzen zu fangen.“

Aufklärung der Halter wichtiger als Kastrationspflicht

Schon im Dezember vergangenen Jahres sollte eine Regelung für die Kastration durch das Landwirtschaftsministerium herausgegeben werden. Verzögert wurde die Abstimmung allerdings durch die Vogelgrippe-Fälle im Dezember. „Die Landesverordnung wird in den nächsten zwei Monaten im Rahmen des Tierschutzkonzepts in Kraft treten“, so Pressesprecher Constantin Marquardt.

Birgit Schäfers vom Neustrelitzer Tierschutzverein Mohrchen sieht die kommende Verordnung kritisch. „Es stellt sich für mich die Frage, wer die Verstöße melden soll oder die Kastration kontrolliert“, so Schäfers. Die Gemeinden könnten schließlich nicht einmal Zuschüsse zur Kastration zahlen. „Es wäre besser, wenn die Tierhalter aufgeklärt werden.“ Beim Mohrchen sind zur Zeit 58 Katzen untergebracht. Alle Kätzchen, die im letzten Frühjahr zum Verein kamen, konnten vermittelt werden. Von den Herbstkatzen leben noch 21 bei Mohrchen. Birgit Schäfers hofft nun, dass bis zum Mai noch mehr Katzen einen neuen Besitzer finden. „Dass es nach der Verordnung mehr ausgesetzte Katzen werden, das denke ich nicht.“ Für viele Katzenfreunde, die einen kleinen Stubentiger übernehmen, sei eine Kastration mittlerweile sogar selbstverständlich.

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