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Kiwis lassen es in Neustrelitz brummen

Die einen haben Hummeln im Hintern und kommen nicht zur Ruhe. Die anderen könnten den Hummeln in ihrem Baum stundenlang in aller Seelenruhe zuhören. Bei einer Familie in Neustrelitz gedeiht eine Pflanze ganz prächtig, die eigentlich am anderen Ende der Welt zu Hause ist

Hummelflug im Neustrelitzer Lindenweg. Die Insekten haben offenbar ihre Freude an den Blüten des Kiwi-Baums von Familie Beese.
Marlies Steffen Hummelflug im Neustrelitzer Lindenweg. Die Insekten haben offenbar ihre Freude an den Blüten des Kiwi-Baums von Familie Beese.

Es ist schon von Weitem zu hören: Dieses Summen, dieses Brummen, dieser sonore, tiefe Ton, ein ganzer Chor muss da zu Gange sein. Die Neustrelitzerin Hannelore Beese liebt diese Geräuschkulisse. Und sie braucht dafür nicht einmal eine CD oder Schallplatte mit dem berühmten "Hummelflug" des Komponisten Nikolai Rimski Korsakow aufzulegen. Hannelore Beese hat die Musik gleich hinter der Tür zu ihrem Garten. Dort steht seit zehn Jahren ein Kiwi-Baum. Der blüht auch in diesem Jahr prächtig. Und wenn die Sonne scheint, vergnügen sich in ihm jede Menge Hummeln. Im vergangenen Jahr hat die Familie rekordverdächtige 13 Kilogramm Kiwis geerntet.

Dass sich der Baum einmal so prächtig entwickeln wird, hat die Familie gehofft, sicher war es allerdings nicht. Hannelore Beeses Tochter Andrea Machel erwarb das in Europa eigentlich nicht heimische Gewächs einst in einem Baumarkt. Beim Einpflanzen haben ihre Eltern dann offenbar alles richtig gemacht. Der Baum steht an einem sonnigen Platz, er ist windgeschützt, seine Wurzeln ruhen in lehmigem, aber nicht zu schwerem Boden. Hannelore und Bruno Beese haben ihren Kiwi-Baum unweit der Weinreben gepflanzt und sie haben ihm eine Kletterhilfe für die Entfaltung der Äste gegeben. Auf diese Weise ist unter dem hölzernen Gesellen mit den großen, ovalen Blättern und den honiggelben, intensiv duftenden Blüten ein lauschiges Plätzchen entstanden - eine Art Laubengang. Und Beeses haben offenbar auch eine Baumzüchtung bekommen, die sowohl männliche als auch weibliche  Blüten besitzt. Normalerweise sind Kiwi-Bäume zweigeschlechtlich. Wer Früchte ernten möchte, muss eigentlich einen männlichen und einen weiblichen Baum pflanzen.

Die Kiwi-Früchte, die bislang geerntet wurden, sind sehr schmackhaft, sagt Hannelore Beese. Man könne sogar die Schale mitessen. Die Früchte werden erst im Spätherbst geerntet. Sie sind etwas kleiner, als die im Supermarkt erhältlichen. Jetzt, da der Baum noch blüht, sei noch nicht ganz absehbar, die Ernte wieder so rekordverdächtig ausfallen wird. Vergeblich war übrigens bislang der Versuch, aus Kiwi-Samen Ableger zu züchten. Es wächst einfach nichts an, sagt Hannelore Beese. Aber das tut der Freude über den Baum, der sich so gut entwickelt hat, keinen Abbruch.