Einem Steinmetz über die Schulter geschaut:

Knochenjob mit ganz viel Gefühl

Wolfgang Raemisch ist in vierter Generation Steinmetz. Für ihn kam nie ein anderer Beruf in Frage. Mit 24 Jahren machte er seinen Meister und brennt für sein Handwerk, dass neben Kraft und Kreativität auch noch andere Fähigkeiten erfordert.

Wolfgang Raemisch graviert mit einem Drucklufthammer einen Grabstein.
Christine Klose Wolfgang Raemisch graviert mit einem Drucklufthammer einen Grabstein.

Schleifen, hämmern, fräsen, meißeln: Das sind nur einige Aufgaben, die zu dem Beruf des Steinmetz’ gehören. Der Beruf ist jahrtausendealt, die berühmten Bauwerke der Ägypter zeugen von dem traditionsreichen Handwerk. Wolfgang Raemisch ist bereits in der vierten Generation Steinmetz und obwohl er längst in einem Alter ist, in dem er sich eigentlich gemütlich zurücklehnen könnte, kann er nicht ganz loslassen. „Mein Sohn wird den Betrieb aber übernehmen“, freut sich der 73-Jährige.

Der Neustrelitzer war gerade einmal 14 Jahre alt, als er die Lehre zum Steinmetz begann. „Ich hatte keine andere Wahl“, sagt er. Denn als Einzelkind war sein beruflicher Weg vorgezeichnet, deswegen machte er sich auch keinen Kopf um eine andere Ausbildung. „Mir war klar, dass ich Steinmetz werde.“ Mit 24 Jahren machte Wolfgang Raemisch seinen Meister. Als er den Titel 1965 in der Tasche hatte, war er mit der jüngste Steinmetzmeister in ganz Mecklenburg.

Schon damals waren die Anforderungen an einen Steinmetz hoch, denn wer den Beruf ergreifen möchte, „der sollte nicht unbedingt ein Hänfling sein“, weiß Raemisch. Aber auch andere Qualitäten muss der Steinkünstler mitbringen. „Vor allem muss man gut zuhören können.“ Denn wenn die Menschen zu ihm kommen, dann trauern sie um einen Angehörigen, der erst vor kurzer Zeit gestorben ist.

Neue Werkzeuge erleichtern die Arbeit

Der Gang zum Steinmetz gehört mit zur Trauerkultur. Aber es ist ein Weg, den nicht mehr alle gehen, weil es nicht mehr notwendig ist. „Viele lassen ihre Angehörigen unter der grünen Wiese begraben, da wird kein Grabstein und auch keine Grabplatte gebraucht“, bedauert der Steinmetz. Wirklich gut findet er diese Bestattungsart nicht, denn jeder Mensch brauche einen Ort, an dem er um seine Lieben trauern kann. „Wenn die Asche verstreut wird, dann weiß ich ja nicht genau, wo der Verstorbene liegt.“

Als Steinmetz erfährt Wolfgang Raemisch viel Privates über den Toten. Das ist wichtig, um die Wünsche der Angehörigen umzusetzen. „Ich habe einmal einen Fußball sowie eine rote und gelbe Karte am Grabstein angebracht, weil der Verstorbene Schiedsrichter war.“ Wenn jemand stirbt, der Tauben gezüchtet hat, dann kann der Steinmetz auch eine Taube in den Grabstein meißeln. „Ich versuche, alle Wünsche umzusetzen, soweit das eben möglich ist.“

Heutzutage sei fast alles machbar – im Gegensatz zu DDR-Zeiten. „Als ich zum ersten Mal einen Westkatalog in den Händen hielt, konnte ich es kaum glauben, was es für Möglichkeiten gibt.“ Denn Raemisch sah Werkzeuge, die es in der ehemaligen DDR nicht gab und die für eine enorme Arbeitserleichterung sorgten. „Heute werden die Steine mittels Laser zurecht geschnitten.“ Auch gebe es heute rund 250 Gesteinsarten, die ein Steinmetz verarbeiten kann – zu Ostzeiten gab es dagegen fast keine Auswahl. „Der Beruf ist aber immer noch körperlich anstrengend und auch psychisch anspruchsvoll.“

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