Ein Fall aus dem Leserhilfswerk:

Alle Heizmittel aufgebraucht - und jetzt kommt der Winter

Trotz vieler Arbeitsjahre bekommt der 67-jährige Wolfgang Müller nur eine geringe Altersrente. Seit seine Frau zum Pflegefall wurde, ist das monatliche Budget noch kleiner.

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Wenn Wolfgang Müller (*) aus dem Fenster seiner Küche schaut, blickt er direkt auf das Holzhäuschen mit den vielen liebevollen Details, das er einmal als Futterstätte für die Vögel gebaut hat. Der 67-jährige Rentner sitzt oft in der Küche des alten Hauses mit der niedrigen Decke und den zum großen Teil unebenen Wänden.

Das Haus wurde noch mit Lehm gebaut. Seit mehr als 32 Jahren wohnt Wolfgang Müller dort schon. Genau so lange, wie er mit seiner Frau Adelheid verheiratet ist. Doch die lebt inzwischen nicht mehr bei ihm. Vor knapp acht Monaten musste er sie in ein Pflegeheim bringen. Sie leidet an Parkinson und zunehmender Demenz.

Vor vier Jahren machten sich die ersten Anzeichen bei ihr bemerkbar, erinnert sich Wolfgang Müller. Zunächst konnte er die Pflege noch gut allein bewältigen. Dann jedoch wurde er selbst operiert. Ein Tumor am Kopf musste ihm entfernt und seine Probleme am Herzen mit einem Stent gemildert werden. Und er weiß, dass ihm weitere Operationen bevorstehen. Außerdem leidet er an Diabetes und hat eine Schrumpfniere. Nur ungern spricht der Rentner über seine gesundheitlichen Einschränkungen. Dabei wird er recht mürrisch, sogar ein wenig böse, weil er nicht mehr so kann, wie er gern möchte.

Von der Rente gehen auch Kosten fürs Pflegeheim ab

Mehr als 20 Jahre hat Wolfgang Müller bei der Bahn gearbeitet, war im Gleisbau und dann an den Schienen unterwegs, um diese zu kontrollieren. „Das Laufen auf den Schwellen geht auf die Beine, vor allem auf die Gelenke. Da sind die Knochen kaputt“, sagt der Rentner und begründet damit, warum ihm das Gehen so schwer fällt. Später arbeitete er in der Landwirtschaft. Irgendwann wurden die gesundheitlichen Beschwerden so stark, dass er aufgeben musste. Das war Ende der 90er-Jahre. Nach Arbeitslosigkeit und einer ABM-Stelle wurde er letztlich erwerbsunfähig. Inzwischen bekommt er Altersrente, allerdings mit elf Prozent Abzügen, wie er sagt.

Trotzdem hätte es zusammen mit der Rente seiner Frau fürs Alter reichen können. Nun jedoch ist alles anders gekommen. Seit seine Frau im Pflegeheim lebt, fehlt nicht nur eine Rente, weil die Bezüge seiner Frau gleich im Heim einbehalten werden. Wolfgang Müller muss zusätzlich monatlich 211 Euro für die Heimkosten zahlen. So bleiben ihm selbst gerade mal etwas mehr als 400 Euro im Monat. Und dabei hat er noch einen Kredit abzuzahlen. Der läuft schon seit Anfang der 90er-Jahre. Damals mussten Dach und Fenster im Haus erneuert werden.

Kleiner Kredit belastet immer noch

Der Kredit war zwar so gering, dass das Geld nur für die Fenster im vorderen Hausteil reichte und die anderen Fenster bisher noch nicht gewechselt wurden. Trotzdem belasten ihn die Raten bis heute.

Beim Kauf von Lebensmitteln genau auf die Preise zu achten, daran hat sich Wolfgang Müller gewöhnt. Manchmal bekomme er ja auch ein Huhn oder eine Ente von Bekannten geschenkt, sagt er. Sein großes Problem ist, dass alle Holz- und Kohlenvorräte aufgebraucht sind.

Er müsste dringend Kohlen bestellen. Doch dafür fehlt ihm das Geld. Rücklagen gibt es nicht. Seine Frau hatte die Finanzen der Familie verwaltet und irgendwann die Übersicht verloren. Um wenigstens Küche und Wohnzimmer etwas zu heizen, holt sich der Rentner ab und an ein Paket Briketts aus dem Baumarkt. Eine Lösung ist das aber nicht, weiß der 67-Jährige.

(*) Der Name wurde von der Redaktion geändert.

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Kommentare (1)

wenn ich wüsste wer da genau gemeint ist würde ich in ein bisschen Holz bringen