Hobbymalerin kopiert Franz Marcs Gemälde:

Kunstfund in Woldegk - aber hier ist alles legal

Eine Hobbymalerin hat den legendären Turm der blauen Pferde von Franz Marc abgemalt. Sie brennt dafür, einmal im Leben das Original zu sehen. Als jetzt der spektakuläre Kunstschatz in München für Schlagzeilen sorgte, war ihre Hoffnung geweckt.

In Sylvia Wölfels Haus hängt der Turm der blauen Pferde von Franz Marc an der Wand. Es handelt sich aber nicht um das verschollene Original. Die 54-Jährige hat das Werk des expressionistischen Meisters abgemalt.
Susanne Böhm In Sylvia Wölfels Haus hängt der Turm der blauen Pferde von Franz Marc an der Wand. Es handelt sich aber nicht um das verschollene Original. Die 54-Jährige hat das Werk des expressionistischen Meisters abgemalt.

Seit einigen Tagen sorgt der spektakuläre Kunstfund in einer Münchner Wohnung für Schlagzeilen. Jetzt ist auch in Woldegk ein verschollenes Kunstwerk aufgetaucht: In Sylvia Wölfels Haus hängt der legendäre Turm der blauen Pferde an der Wand – das wohl wichtigste Werk des expressionistischen Malers Franz Marc. 

Es handelt sich jedoch nicht um das seit 1945 verschwundene Original. Das Bild in Sylvia Wölfels Treppenhaus stammt aus ihrem eigenen Pinsel. Die Hobbymalerin hat Franz Marcs Meisterwerk schon vor Jahren originalgetreu abgemalt – aus Begeisterung für das Bild und aus Freude am Malen. Vier blaue Pferde, Landschaft in gelb, braun und rot, orange-roter Regenbogen, gelber Himmel – unverkennbar der Stil des im ersten Weltkrieg gefallenen Künstlers.

Als nun in München plötzlich 1400 Kunstwerke in einer Wohnung gefunden wurden, hatte Sylvia Wölfel inständig gehofft, Franz Marcs Pferdeturm könne darunter sein."Ich dachte wirklich, vielleicht hast du noch einmal in deinem Leben das Glück, das Original sehen zu können“, beschreibt die 54-Jährige ihre ersten Gedanken. Doch inzwischen schwindet ihre Hoffnung. Je mehr Bilder aus dem Kunstschatz veröffentlicht werden, je kleiner wird die Wahrscheinlichkeit, dass der Turm der Pferde noch folgt.

Während sich die Experten noch streiten, wem die Arbeiten aus dem Kunstfund gehören und wo sie verbleiben, ist für Sylvia Wölfel längst klar, was mit den Bildern geschehen muss: „Solche wichtigen Bilder gehören für mein Gefühl der Allgemeinheit. Sie müssen in Museen. Jeder soll sie angucken dürfen. Wie das rechtlich organisiert wird, das sollen die Fachleute klären.“

Nach Sylvia Wölfels Kunstverständnis ist es untragbar, dass Werke großer Meister hinter verschlossenen Türen verschwinden. „Es kann nicht sein, dass ein paar wenige Leute solche Sammlungen anhäufen, nur weil sie reich sind.“ Die Einstellung mancher Kunstsammler findet sie verwerflich. „Da wird gelogen, betrogen, gerafft.“

Für den Turm der Pferde hat sich die studierte Kindergärtnerin drei Monate Zeit genommen. Als Vorlage für ihr 120 mal 20 Zentimeter großes Ölbild diente der winzige, unscharfe Abdruck einer Replikation. „Ich habe jedes Detail millimetergenau ausgemessen und auf größeren Maßstab übertragen. Das war schon ein bisschen anspruchsvoller.“ Der Kunstfälschung sieht sie sich nicht verdächtig. „Es wäre nur dann eine Fälschung, wenn ich alte Materialien verwendet und mit ‚Franz Marc‘ signiert hätte. Auf meinem Bild steht ‚SW‘.“

Sylvia Wölfel malt seit vielen Jahren. Obwohl sie sich als Hobbymalerin einstuft, hat sie es zu einer gewissen Professionalität gebracht. Öl, Acryl, Kreide, Landschaften, Stillleben, Porträts – ihr Repertoire ist vielfältig. Oft wird sie von Freunden und Verwandten ermuntert, ihre Arbeiten auszustellen. Trotzdem geht sie ihrer Leidenschaft bislang weitgehend im Verborgenen nach. Viele Bilder schmücken ihre eigenen Wände, einige hat sie verschenkt, eine öffentliche Ausstellung kommt ihr nicht in den Sinn: „Wozu? Was hätte ich davon?“

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