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Kunstmarkt findet zu wenig Mitstreiter

VonSusanne Schulz„Zu spät“, fanden Künstler, die das Theater für die Verkaufsbuden am Fest- spielgelände gewinnen wollte. Maler Wolf Leo nennt noch ...

VonSusanne Schulz

„Zu spät“, fanden Künstler, die das Theater für die Verkaufsbuden am Fest- spielgelände gewinnen wollte. Maler Wolf Leo nennt noch einen anderen Grund.

Neustrelitz.Stimmungsvoll hatten es sich die Neustrelitzer Theaterleute ausgemalt, wie das vorfreudige Publikum über den Buttel-Platz zum Schlossberg, zur Operetten-Freilichtbühne flanieren würde – und Einkehr halten an Verkaufsständen von Künstlern der Region. Zumindest für diese Saisonallerdings ist der Kunstmarkt jetzt ad acta gelegt, wie aus der Theater und Orchester GmbH zu erfahren war: Von den potenziellen Ausstellern gab es „zwar viele Reaktionen, aber die meisten mit dem Vermerk: Schade, bereits ausgebucht“, berichtet Margit Köplin, Leiterin derÖffentlichkeitsarbeit.
Zunächst hatten die Theaterleute das Kunsthaus mit der Organisation des Marktes betrauen wollen, sich schließlich aber doch selbst an mögliche Mitwirkende gewandt. Absagen bekamen sie aberoffenbar nicht nur wegen des Zeitmangels der Angesprochenen, wie die Reaktion des Grünower Künstlers Wolf Leo verrät:„Der Markt sollte an 16Tagen von 12 Uhr bis Vorstellungsbeginn – fast immer um 20 Uhr – besetzt sein. Hinzu kämen An- und Abfahrt,also ein Zehn-Stunden-Tag“, rechnet er und fragt:„Welcher Angestellte der Stadt oder des Theaters würde 16Tage ohne Bezahlung eine solche Kulturarbeit auf sich nehmen?“ Das Anliegen, durch den Kunstmarkt die Festspiele aufzuwerten, werde ins Gegenteil verkehrt, sagt Leo und kritisiert einen „verwurschtelten“ Kunstbegriff, der die kreative Arbeit„zum Bier- und Würstcheneinerlei degradiert“.
Für einen richtigen Kunstmarkt „gehört sich ein Arbeitshonorar“, mahnt Leo. Die Veranstalter könnten dafür wie ein Galerist bei größeren Verkäufen einen vereinbarten Prozentsatz als Gewinnbeteiligung beanspruchen. Den entsprechenden Teilnehmerkreis anzusprechen,„macht viel Arbeit, kostet Geld und Zeit“, weiß der Künstler. Das „Beliebig-Modell“ indes bringe nur einen Trödelmarkt hervor.
Am Theater wiederum ist die Markt-Idee mit der diesjährigen Absage noch keineswegs beerdigt, wie MargitKöplin betont. Bereits im Herbst sollen die Vorbereitungen für 2014 beginnen.

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susanne.schulz@nordkurier.de