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Lieber Schuften als hinter Gittern zu sitzen

Wer zwei Packen Cola klaut, der landet nicht gleich vor dem Haftrichter, oder? Falsch, denn Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt. Oftmals werden die Täter zu Geldstrafen verurteilt, die sie nicht immer bezahlen können. Dann gibt es zwei Möglichkeiten.

Ob bei Wohlfahrtsverbänden oder im Tierheim – es gibt viele Möglichkeiten, gemeinnützige Arbeit zu leisten, um einer Haftstrafe zu entgehen. 
Marc Müller Ob bei Wohlfahrtsverbänden oder im Tierheim – es gibt viele Möglichkeiten, gemeinnützige Arbeit zu leisten, um einer Haftstrafe zu entgehen. 

Wer bisher dachte, dass vor Gericht nur die „harten Fälle“ landen, der täuscht sich. Auch vermeintlich kleinere Delikte werden zur Anzeige gebracht und die Täter gerichtlich zur Verantwortung gezogen. Denn wer beispielsweise klaut, auch wenn es sich „nur“ um zwei Packen Cola handelt, die einen Wert von rund 14 Euro haben, muss damit rechnen, zu einer Geldbuße verurteilt zu werden.

Wer die nicht zahlen kann, der hat zwei Möglichkeiten: Entweder die Täter schmoren für einen gewissen, vom Gericht festgelegten Zeitraum im Gefängnis (das heißt dann Ersatzfreiheitsstrafe, kurz EFS) – oder sie entscheiden sich, Sozialstunden zu leisten. Das Projekt „Schwitzen statt sitzen“ zielt darauf, dass Menschen, die ihre Geldstrafe nicht zahlen konnten, statt ins Gefängnis zu wandern, lieber gemeinnützige Arbeit leisten.

Gute Erfahrungen gemacht

Das Projekt „Schwitzen statt sitzen“ gibt es seit 14 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern und gibt den Verurteilten die Möglichkeit, ihre Geldstrafe in Form von gemeinnützigen Stunden abzuleisten. Ob in der Kirchgemeinde, im Tierheim, bei Wohlfahrtsverbänden – die Einsatzgebiete sind viel­fältig. „Die Verurteilten stellen einen Antrag auf Umwandlung der Ersatzfreiheitsstrafe und werden dann von uns in entsprechenden Einrichtungen eingesetzt“, sagt eine Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt. Deren Beratungsstelle TESA arbeitet seit 2002 mit der Jugendanstalt Neustrelitz zusammen und vermittelt den Kontakt zu in Frage kommenden Einrichtungen. „Die Hauptsache ist, dass es sich um einen gemeinnützigen Träger handelt.“

Im Neustrelitzer Tierschutzverein haben die Mitarbeiter mit Straftätern, die im offenen Vollzug der Jugendanstalt ihre Strafe verbüßen, gute Erfahrungen gemacht. „Sie waren immer pünktlich und engagiert und alles hat wunderbar geklappt“, sagt Tierheim-Mitarbeiterin Anja Letzel. Schließlich, so habe sie es oft von den Verurteilten gehört, sei arbeiten besser, als im Gefängnis zu schmoren.